MK-Japan-Blog

Hier werden in loser Folge Nachrichten und Kommentare zu Wirtschaft, Wissenschaft, Technik, Politik, Gesellschaft, Geschichte und Kultur Japans vorgestellt. Darüber hinaus kommen Sprichwörter, Redensarten und mehr oder weniger bekannte Aussprüche zur Veröffentlichung.

Einem Tiger Flügel verleihen

虎に翼
Tora ni tsubasa
Adding wings to a tiger.
Einem Tiger Flügel verleihen.

Anmerkung
Wenn man in China einen Starken unnotwendigerweise stärkt, sagt man ebenfalls, das sei so, als ob man einem Tiger Flügel verliehe: 如虎添翼 rú hǔ tiān yì. Häufig wird diese Redensart in einem Kontext gebraucht, um zu betonen, dass dieser zusätzliche Vorteil aus der Sicht des Sprechers nicht wünschenswert sei. Der Ausspruch stammt aus dem legalistischen Werk „Meister Han Fei“ [ch. Hán Fēi zǐ 《韓非子》, jp. Kanpishi 『韓非子』] des chinesischen politischen Philosophen Han Fei (ca. 280 bis 233 v.u.Z.). Ein japanisches Synonym dieser sprichwörtlichen Redensart lautet Oni ni kanabō 鬼に金棒 [Einem Dämon noch eine Eisenstange geben]. Es steht auf der 27. von 48 Karten des traditionellen japanischen Iroha-Kartenspiels von Edo (Edo Iroha Karuta), heute Tokyo.

Intelligenz schützt nicht vor Dummheit.

「知能は無知から我々を守ってくれない」
(エルンスト・アレクサンダー・ラウター、1929年~2006年)
Chinō wa muchi kara wareware o mamotte kurenai
“Intelligence does not protect from ignorance.”
„Intelligenz schützt nicht vor Dummheit.“ (Ernst Alexander Rauter, 1929–2006)

Quelle: Rauter, Ernst Alexander: Wie eine Meinung in einem Kopf entsteht. Über das Herstellen von Untertanen. München: Weismann, 1971, S. 17.

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.

「すべての始まりに不思議な力が宿る」
(ヘルマン・ヘッセ、1877~1962)
Subete no hajimari ni fushigi na chikara ga yadoru
In every beginning lives a magic.
Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.
(Hermann Hesse, 1877–1962)

Beharrlichkeit führt zum Ziel.

雨垂れ石を穿つ
Amadare ishi o ugatsu
Regentropfen höhlen den Stein aus.
Gutta cavat lapidem non vi, sed saepe cadendo.
Der Tropfen höhlt den Stein nicht durch Gewalt, sondern durch häufiges Fallen.
La goccia scava la pietra.
Steter Tropfen höhlt den Stein.
Beharrlichkeit führt zum Ziel.

雨垂れ石を穿つ
Amadare ishi o ugatsu
Constant dropping wears away a stone.
Gutta cavat lapidem non vi, sed saepe cadendo.
The drop of water hollows the rock not by force, but by often falling.
With ordinary talent and extraordinary perseverance, all things are attainable.
Little strokes fell big oaks.
Perseverance will bring success.

Anmerkung
Zu dem japanischen Sprichwort Amadare ishi o ugatsu 「雨垂れ石を穿つ」 gibt es eine Reihe von sinnverwandten Sprichwörtern. Semantisch am nächsten stehen ihm Suiteki ishi o ugatsu 「水滴石を穿つ」 und Tenteki ishi o ugatsu 「点滴石を穿つ」. Als Herkunft des Sprichwortes gilt das chinesische Geschichtswerk Hàn Shū 《汉书》 / 《漢書》, japanisch Kanjo 『漢書』. Es wurde in der Späten Han-Dynastie (auch Östliche Han-Dynastie, 25 bis 220 n.u.Z.) herausgegeben und ist die wichtigste Quelle zur Frühen Han-Dynastie (auch Westliche Han-Dynastie, 206 v.u.Z. bis 8 n.u.Z.) sowie zur Herrschaft des chinesischen Kaisers Wáng Mǎng, dessen Regierungszeit von 9 bis 23 n.u.Z. als Interregnum im Bürgerkrieg endete und in die Späte Han-Dynastie mündete. Das ältere klassische Sprichwort lautet shuǐdī shíchuān 水滴​石穿, das jüngere dīshuǐ chuānshí 滴水​穿石. Beide existieren bis in die Gegenwart in der chinesischen Gegenwartssprache fort.

Wonach streben

「成功のためではなく、価値のある人間になるために努力せよ」
Seikō no tame de wa naku, kachi no aru ningen ni naru tame ni doryoku seyo
“Strive not to be a success, but rather to be of value.”
„Strebe nicht danach, erfolgreich zu sein, sondern wertvoll.“
(Albert Einstein, 1879–1955)

Warten auf Godot

見詰める鍋は煮えない
Mitsumeru nabe wa nienai
Vom Anstarren wird der Topf nicht kochen.
Wenn man auf etwas wartet, dauert es besonders lang.
Beim Warten wird die Zeit lang.

見詰める鍋は煮えない
Mitsumeru nabe wa nienai
Le temps ne passe pas quand on attend.
A watched kettle never boils.
A watched pot never boils.

Wenn du es träumen kannst

「夢見ることができれば、それは実現できる」
(ウォルト・ディズニー、1901年~1966年)
Yume miru koto ga dekireba, sore wa jitsugen dekiru
“If you can dream it, you can do it.”
„Wenn du es träumen kannst, kannst du es auch tun.“ (Walt Disney, 1901–1966)

Anmerkung
Piri (Piroschka), Tochter des Stationsvorstehers in dem kleinen Ort Hódmezővásárhelykutasipuszta („Biberfeldmarktplatzbrunnenheide“) in Südostungarn, sagte im Schlussakt der romantischen Filmkomödie »Ich denke oft an Piroschka« (1955) von Kurt Hoffmann (1910–2001) nach einem Roman (1954) von Hugo Hartung (1902–1972), angefüllt mit einer idyllischen Handlung in einer heilen Welt, wo jeder seinen Platz kennt und pflichtbewusst und verantwortungsvoll einnimmt, beim Bahndamm im Gras zu Andi (Andreas), möglicherweise auf einen Kuss wartend: „Nicht reden, tun musst du es!“

Kapitalismus und Krieg

「資本主義は、雲が嵐をもたらすように、戦争をもたらす」
(ジャン・ジョレス、1859年~1914年)
Shihonshugi wa, kumo ga arashi o motarasu yō ni, sensō o motarasu.
« Le capitalisme porte en lui-même la guerre comme la nuée dormante porte l’orage. »
“Capitalism bears war within itself, just as a sleeping cloud bears a storm.”
»Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die schlafende Wolke den Sturm.« (Jean Jaurès, 1859–1914)

Anmerkung
Das Zitat „Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die schlafende Wolke den Sturm.“ [« Le capitalisme porte en lui-même la guerre comme la nuée dormante porte l’orage. »] ist eine von mehreren zirkulierenden, gekürzten Neuformulierungen aus einer Rede des wortgewaltigen, linksrepublikanischen Abgeordneten Jean Jaurès (1859–1914), die er am 7. April 1895 vor der Deputiertenkammer des Nationalrats zur Zeit der Regierung von Premierminister Alexandre Ribot (1842–1923) gehalten hat. Diese Rede wurde von der Bibliothek der französischen Arbeiterpartei (Bibliothèque du Parti ouvrier) verlegt, im Zentralorgan der Sozialistischen Arbeiterpartei titels „Le Socialiste“ als Broschüre abgedruckt und konnte in ihrem Pariser Büro in der Rue Montmartre 132 für 10 Centimes gekauft werden. Das entsprach Mitte der 1890er Jahre etwa einem Zehntel des Tageslohns eines ungelernten Arbeiters. Die Rede respektive die Broschüre trug den Titel „Patriotismus und Internationalismus“ (« Patriotisme et Internationalisme ») und fand den Beifall vor allem der extremen Linken und der Französischen Arbeiterpartei (Parti ouvrier français, von 1882 bis 1902).

Der Kontext des reformulierten Zitats lautet wie folgt: « Toujours votre société violente et chaotique, même quand elle veut la paix, même quand elle est à l’état d’apparent repos, porte en elle la guerre, comme la nuée dormante porte l’orage. [Très bien / très bien / à l’extrême gauche.] Messieurs, il n’y a qu’un moyen d’abolir enfin la guerre entre les peuples, c’est d’abolir la guerre entre les individus, c’est d’abolir la guerre économique, le désordre de la société présente, c’est de substituer à la lutte universelle pour la vie — qui aboutit à la lutte universelle sur les champs de bataille — un régime de concorde sociale et d’unité. » (Jean Jaurès 1895, S. 13–14)

Die bibliographischen Angaben zur Rede lauten: Jaurès, Jean (1895): Patriotisme et Internationalisme. Discours de Jean Jaurès. Précédé du Manifeste du Conseil national du Parti ouvrier. Paris: Bureau du Socialiste. 132, rue Montmartre. Lille: Imprimerie ouvrière, G. [Gustave] Delory, S. 9–31. Diese Rede war kürzlich noch gemeinfrei im Internet einsehbar über die Nationalbibliothek Frankreichs (Bibliothèque nationale de France).

Das Alte und das Neue

故きを温ねて新しきを知る
Furuki o tazunete atarashiki o shiru
Um das Neue zu verstehen, studiere das Alte.
Wer wissen will, wie etwas werden soll, muss betrachten, was war.

故きを温ねて新しきを知る
Furuki o tazunete atarashiki o shiru
To understand new things, study the old.
(Re-) Visiting (the) old, learn (the) new.

Anmerkung
Diese sprichwörtliche Redensart und Weisheit geht auf den chinesischen Gelehrten Konfuzius (ca. 551 v.u.Z. bis ca. 479 v.u.Z.) zurück und stammt aus dem Lún Yǔ 論語|论语 [jp. Rongo 論語, dt „Gespräche des Konfuzius“, „Analekten des Konfuzius“ oder auch „Gesammelte Aussprüche des Konfuzius“] zum Thema „Staatsgeschäfte“ 為政 [ch. Wéi Zhèng, jp. Isei]. Die obige Weisheit existiert in Ostasien als Vier-Schriftzeichen-Kompositum: 温故知新 [ch. wēngù zhīxīn, jp. onko chishin, kor. ongo jisin, Hangeul: 온고지신].

In diesem Zusammenhang läßt sich eventuell mit einem Bonmot des Bonner Astronomen Friedrich Wilhelm August Argelander (1799–1875) eine Brücke vom chinesischen Altertum zur europäischen Moderne schlagen. Auf die joviale Frage von Friedrich Wilhelm IV. von Preußen (1795–1861) „Nun, Herr Geheimrat, was gibt es Neues am Himmel?“ entgegnete der Astronom „Kennen Majestät denn schon das Alte?“

Nomen est omen.

名は体を表す
Na wa tai o arawasu
Der Name bringt das Wesen eines Dinges zum Ausdruck.
Der Name ist ein Zeichen.
Nomen est omen.

名は体を表す
Na wa tai o arawasu
Names and natures do often agree.
The name is a sign.
Nomen est omen.