MK-Japan-Blog

Hier werden in loser Folge Nachrichten und Kommentare zu Wirtschaft, Wissenschaft, Technik, Politik, Gesellschaft, Geschichte und Kultur Japans vorgestellt. Darüber hinaus kommen Sprichwörter, Redensarten und mehr oder weniger bekannte Aussprüche zur Veröffentlichung.

Der bedeutendste Mensch

最も大事な時はいつでも現在である。最も大切な人は今まさにあなたの向かいに坐っている人である。最も必要な仕事はいつでも愛である。[マイスター・エックハルト(マイステル・エックハルトとも言う, 1260年頃 – 1328年頃)]
Mottomo daiji na toki wa itsu de mo genzai de aru. Mottomo taisetsu na hito wa ima masa ni anata no mukai ni suwatte iru hito de aru. Mottomo hitsuyō na shigoto wa itsu de mo ai de aru.
“The most important hour is always the present. The most significant person is precisely the one sitting across from you right now. The most necessary work is always love.” (Meister Eckhart, ca. 1260–1328)
„Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart, der bedeutendste Mensch immer der, der dir gerade gegenübersteht, und das notwendigste Werk immer die Liebe.“ (Meister Eckhart, auch Eckhart von Hochheim, ca. 1260–1328)

Perlen vor die Säue

豚に真珠
Buta ni shinju
(To cast/throw) pearls before swine.
Perlen vor die Säue (werfen).

猫に小判
Neko ni koban
(To cast/throw) gold coins/money to a cat.
Goldmünzen vor die Katzen (werfen).

Anmerkung
Die sprichwörtliche Redensart „Perlen vor die Säue (werfen)“, auf Japanisch wörtlich „Buta ni shinju“, kann man heutigen Muttersprachlern – und Muttersprachlerinnen – gegenüber bedenkenlos benutzen, ohne mißverstanden zu werden. Es gibt darüber hinaus noch die ältere sinnverwandte Redensart „Goldmünzen vor die Katzen (werfen)“ beziehungsweise „Neko ni koban“ 「猫に小判」, die auf der 20. von 48 Karten des traditionellen Iroha-Kartenspiels von Kyoto (Kyoto Iroha Karuta) steht.

Der Koban 小判 war eine kleine, dünne, ovale Goldmünze mit einem Nennwert von 1 Ryō 両 [monetäre Standardeinheit während der Edo-Zeit (1603–1868), der japanischen Frühmoderne]. Er war eine historische Gewichtseinheit für Gold und wurde auch als Münzeinheit verwendet. Die früheste Koban-Münze, die japanweit in größeren Mengen zirkulierte, war der Keichō Koban 慶長小判. Keichō ist eine Ära-Bezeichnung (Nengō 年号): 27.10.1596–13.07.1615. Ursprünglich bestand der Koban zu etwa 84,29 Prozent aus Gold. Er wurde neunmal wieder eingesammelt und mit einem geringeren Goldanteil in größerem Umfang neu emittiert, was zu seiner schleichenden Entwertung führte.

Ōban 大判 waren große, dünne, ovale Goldmünzen von der Muromachi-Zeit (1333–1568) bis zur Edo-Zeit (1603–1868), wurden vor dem 17. Jahrhundert jedoch nur sporadisch ausgegeben. Ōban waren zwischen 10 und 15 Zentimeter groß (4 bis 6 „In“) und hatten ein Gewicht von 44 Momme 匁・文目 [165 Gramm oder 6 Unzen; 1 Momme 匁・文目 = 1 Tausendstel Kan 貫 = 3,75 Gramm]. 1 Ōban besaß einen Nennwert von 10 Ryō 両. Während der Edo-Zeit entsprach ein Koban einem Zehntel des Nennwerts eines Ōban. In heutiger Kaufkraft entspräche 1 Koban etwa 290.000 Yen und dementsprechend 1 Ōban rund 2.900.000 Yen.

Münzgeld aus Kupfer und Eisen nannte man im Japan der Edo-Zeit Zeni beziehungsweise Sen. Silbermünzen nannte man Chōgin (auch: Ginjō) und Mame’itagin (auch: Mame’ita, Mamegin, Tsubugin, Kotsubu, Kodamagin und Saigin).

Weder Fisch noch Fleisch

帯に短し襷に長し
Obi ni mijikashi tasuki ni nagashi
Für einen Gürtel zu kurz und für ein Ärmelband zu lang.
Das ist nichts Halbes und nichts Ganzes.
Weder Fisch noch Fleisch.

帯に短し襷に長し
Obi ni mijikashi tasuki ni nagashi
Too short for a belt, too long for a sleeve tie.
Neither fish, nor flesh, nor good red herring.
Neither fish nor fowl.

Die Mutter aller Börsenweisheiten

「10月。これは、株式に投資するには特に危険な月の一つである。その他にも、7月、1月、9月、4月、11月、5月、3月、6月、12月、8月、そして2月といった月が危険である。」(マーク・トウェイン、1835年~1910年)
Jūgatsu. Kore wa, kabushiki ni tōshi suru ni wa toku ni kiken na tsuki no hitotsu de aru. Sono hoka ni mo, shichigatsu, ichigatsu, kugatsu, shigatsu, jūichigatsu, gogatsu, sangatsu, rokugatsu, jūnigatsu, hachigatsu, soshite nigatsu to itta tsuki ga kiken de aru.
“October. This is one of the peculiarly dangerous months to speculate in stocks. The others are July, January, September, April, November, May, March, June, December, August, and February.”
„Oktober. Einer der besonders gefährlichen Monate für Börsenspekulationen. Die anderen sind Juli, Januar, September, April, November, Mai, März, Juni, Dezember, August und Februar.“ (Mark Twain, 1935–1910)

Anmerkung
Das obige Zitat aus dem Roman Pudd’nhead Wilson (1894) von Mark Twain (1935–1910) steht am Beginn des 13. Kapitels „Tom Stares at Ruin“ und kann im amerikanischen Original im Internet beispielsweise in der Bibliothek des „Project Gutenberg“ sowie als gemeinfreies Hörbuch zum Beispiel bei AudioBookBuzz gefunden werden. Bibliographische Angaben: Mark Twain (Samuel L. Clemens): The Tragedy of Pudd’nhead Wilson and the Comedy of The Extraordinary Twins. Hartford, CT: American Publishing Company, 1894.

Eine Zeitenwende

「先ず宇宙は球形であることを言う必要がある。」
(ニコラウス・コペルニクス、1473年~1543年)
Mazu uchū wa kyūkei de aru koto o iu hitsuyō ga aru
»Principio aduertendum nobis est globosum esse mundum, (…)«
“First of all, we must note that the universe is spherical, (…).”
„Zuerst müssen wir bemerken, dass die Welt kugelförmig ist, (…).“ (Nikolaus Kopernikus, 1473–1543)

Anmerkung
Schon der griechische Gelehrte Aristoteles (384–322 v.u.Z.) stellte fest, daß die Erde keine flache Scheibe sein kann, sondern wahrscheinlich eine Kugelform besitzt. Später errechnete Eratosthenes (ca. 273–194 v.u.Z.) den Erdumfang mit knapp 40.000 Kilometern annähernd exakt. Im weiteren Sinne ist die Erde eine Kugel (Globus oder Erdkugel), im engeren Sinne spricht man wegen ihrer abgeplatteten Pole jedoch genauer von einem Ellipsoid (Erdellipsoid). Der Vergleich der Erde und des Universums mit der – perfekten – Form eines Wassertropfens steht zu Anfang des späten Hauptwerkes »De revolutionibus orbium coelestium« respektive »(…) caelestium« [Über die Umlaufbahnen der Himmelskörper] von Nicolaus Copernicus respektive Nicolaus Coppernicus respektive Niklas Koppernigk der Jüngere (19.02.1473–24.05.1543). Astrophysiker der Gegenwart tendieren fast fünfhundert Jahre nach Copernicus von den drei vorgestellten Geometrien des expandierenden Universums (elliptisch, hyperbolisch, flach) im Raum-Zeit-Gefüge großenteils zur Annahme eines flachen (euklidischen) Weltraums.

Der astronomische Begriff »Revolution« [lat. revolutio = das Zurückwälzen] bedeutete im 15. und 16. Jahrhundert das Zurückkehren eines Sterns zum Ausgangspunkt seiner Umlaufbahn. Demgegenüber schwingt bei dem Begriff »Evolution« [lat. evolutio = das Aufschlagen] als konzeptueller Terminus zum Beispiel für den Grundgedanken des Hauptwerkes »On the Origin of Species« (1859) [Über die Entstehung der Arten] von Charles Darwin (1809–1882) als Metapher ein christlicher Unter- bis Grundton mit, nämlich das Aufschlagen oder Ausrollen einer Schriftrolle in Form einer beschrifteten Papyrus- oder Pergamentbahn gleich eines göttlichen Planes. »De revolutionibus etc.« wurde zum ersten Mal im Jahr 1543 in Nürnberg in lateinischer Sprache gedruckt.

Die erste deutsche Übersetzung erfolgte anläßlich der vierten „Säcular-Feier der Geburt von Coppernicus.“ Kein Geringerer als „Seine Majestät Kaiser Wilhelm [Wilhelm II. (1859–1941)] gestattete huldvollst, die Subvention, welche Allerhöchstderselbe für die Säcular-Ausgabe des bez. [bezüglichen] Werkes bewilligt hatte, auch für eine deutsche Uebersetzung verwenden zu dürfen.“ [Thorn, 19. Februar 1879, S. V]. Bibliographische Angaben der ersten deutschsprachigen Übersetzung: Nicolaus Coppernicus aus Thorn über die Kreisbewegungen der Weltkörper. Übersetzt und mit Anmerkungen von Dr. Moritz Cantor. Herausgegeben von dem Coppernicus-Verein für Wissenschaft und Kunst zu Thorn. Thorn, 1879. Druck und Verlag von Ernst Lambeck.

Die japanische Übersetzung stammt von dem Wissenschaftshistoriker Yajima Suketoshi 矢島祐利 (1903–1995), der im Jahr 1953 das erste von sechs Büchern des Copernicus-Hauptwerkes im Toykoter Verlag Iwanami Shoten veröffentlicht hat. Die bibliographischen Angaben für das obige Zitat lauten: Copernicus, Nicolaus (Verf.) ニコラウス・コペルニクス[著] und Yajima Suketoshi (Übers.) 矢島祐利[譯] (1953): Tentai no kaiten ni tsuite 『天體の囘轉について』 [Über die Umlaufbahnen der Himmelskörper]. (Iwanami Bunko 33–905–1) Tōkyō 東京: Iwanami Shoten 岩波書店, S. 23.

Von Tuten und Blasen

芋の煮えたも御存じない
Imo no nieta mo gozonji nai
Nicht wissen, ob eine Kartoffel gekocht ist oder nicht.
Von Tuten und Blasen keine Ahnung haben.

芋の煮えたも御存じない
Imo no nieta mo gozonji nai
Not being able to tell if a potato is boiled or not.
You know as much about it as the man in the moon.

Anmerkung
Diese sprichwörtliche Redensart steht auf der 25. von 48 Karten des traditionellen Iroha-Kartenspiels von Edo (Edo Iroha Karuta), heute Tokyo, für das im 20. Jahrhundert per Schriftreform abgeschaffte Morenschriftzeichen mit dem Laut Wi [Hiragana: ゐ, Katakana: ヰ], kursive Schriftform oder auch Eilschriftform [Sōtai 草体] von 「為」 [Assoziatives Kompositum: Eine Hand führt einen Elefanten].

Gott steckt im Detail.

神は細部に宿る
Kami wa saibu ni yadoru
Deus in singulis rebus iacet.
Dieu est dans les détails.
God is in the details.
Gott steckt im Detail.

神は詳細に棲んでいる
Kami wa shōsai ni sunde iru
Deus in singulis rebus iacet.
Le bon Dieu est dans le détail.
The good God/Lord is in the detail.
Der liebe Gott steckt im Detail.

Anmerkung
Dieser in verschiedenen Variationen und Zusammenhängen benutzte Aphorismus mahnt im Kontext seines Gebrauchs in aller Regel daran, genau hinzuschauen und gut zu prüfen, ob die geforderte Präzision bei allen Beteiligten und in allen Punkten stimmt. Seine ursprüngliche Quelle ist ungeklärt. Häufig wird er wahlweise dem Schriftsteller Gustave Flaubert (1821–1880), dem Architekten Ludwig Mies van der Rohe (1886–1969) und/oder dem Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler Aby Warburg (1866–1929) zugeschrieben. Das von John Bartlett (1820–1905) erstellte und erstmals im Jahr 1855 erschienene Werk Familiar Quotations bezeichnet die Autorenschaft dieses Sinnspruches in der 18. Auflage von 2012 als anonym.

Der Teufel steckt im Detail.

悪魔は細部に宿る
Akuma wa saibu ni yadoru
Diabolus in singulis rebus iacet.
Der Teufel steckt im Detail.

悪魔は詳細に棲んでいる
Akuma wa shōsai ni sunde iru
Diabolus in singulis rebus iacet.
The devil is in the details.