Das dreifache W[eh]

「飲む、打つ、買う」
Nomu, utsu, kau
Trinken, Spielen, Huren.
„Wein und Weib und Würfel / Ist ein dreifach W.“ (Hoffmann von Fallersleben, 1798–1874)

「飲む、打つ、買う」
Nomu, utsu, kau
Drinking, gambling, whoring.
Dicing, drabbing and drinking are three D’s to destruction.

Anmerkung
Das komplette Gedicht von August Heinrich Hoffmann, bekannt als Hoffmann von Fallersleben (1798–1874), lautet wie folgt.

Das W.

Wein und Weib und Würfel
Ist ein dreifach W,
Liegt mir auf dem Herzen,
Wo ich geh’ und steh.

Mancher ist gewandert
Durch gar manches Land,
Wollt ein Kräutlein finden,
Was sein W verbannt.

Ich auch müßt’ es suchen,
Wär mein W ein Weh;
Doch mein Wohl auf Erden
Schreibt sich nur mit W.

Ein kleiner Spiegel

「わが顔があつた小さい鏡買うてもどる」
(尾崎放哉、1885年~1926年)
Waga kao ga atta chiisai kagami katte modoru
“I bought a tiny mirror with my face in it and went home.”
„Ich kaufte einen kleinen Spiegel mit meinem Gesicht darin und ging nach Hause.“ (Hōsai Ozaki, 1885–1926)

Stille Wasser sind tief. [2]

浅瀬に仇波
Asase ni adanami
Je seichter der Strom, desto rauher die Wellen.
Leere Fässer klingen hohl.
Leere Töpfe klappern am meisten.
Ein leerer Topf am meisten klappert, ein leerer Kopf am meisten plappert.
Stille Wasser sind tief.

浅瀬に仇波
Asase ni adanami
Deep rivers move in silence, shallow brooks are noisy.
Wise man [and women] talk because they have something to say; fools because they have to say something.
The empty vessel makes the greatest sound.
Those who know little talk much.
Still waters run deep.

Anmerkung
Die sprichwörtliche Redensart »Asase ni adanami« dient heutzutage als Gleichnis für oberflächliche und launenhafte Menschen, die auch bei geringfügigen Dingen viel Lärm um nichts machen. Für das Bild der rauhen, tobenden Wellen [»adanami«] gibt es im Japanischen noch heute drei Schreibweisen: 「仇浪」 「徒波」 「徒浪」. Das Gleichnis kommt in Gedicht Nr. 522 der Anfang des 10. Jahrhunderts vollendeten kaiserlichen Anthologie namens »Kokin Wakashū« 『古今和歌集』 [Sammlung alter und moderner japanischer Gedichte, ca. 920 n.u.Z.] vor. Als Autor dieses Waka – ein Begriff, der in Abgrenzung zu chinesischen Formen der Dichtung geprägt wurde – gilt der buddhistische Mönch Sosei [Sosei Hōshi 素性法師], dessen Lebensdaten unsicher sind (ca. 909 n.u.Z. verstorben). Es handelt sich bei diesem Waka um ein 31-silbiges Kurzgedicht [Tanka 短歌] mit dem typischen Versmaß 5-7-5-7-7, das man recht verschieden, mit mehr oder weniger chinesischen Schriftzeichen (Kanji) und je nach Interpretation mit verschiedenen Kanji schreiben kann: »An tiefen Stellen sind die Wellen der Flußströmung lautlos, aber an Untiefen ohrenbetäubend.« Da das Kurzgedicht im 14. von 20 Büchern der »Blumenlese« zum Thema Liebe und Sehnsucht steht, sind hier durchaus noch weitere Möglichkeiten der Interpretation gegeben, wenn man japanischen und chinesischen Experten für Prosodie und Herzensangelegenheiten folgen würde. Im Folgenden das Kurzgedicht in einer moderneren, um Kanji angereicherten, in einer um Hiragana angereicherten Variante mit lateinischer Transkription und in einer amerikanischen Übersetzungsmöglichkeit:

底ひなき
淵やは騒ぐ
山川の
浅き瀬にこそ
仇波は立て

そこひなき
ふちやはさはぐ
山川の
あさきせにこそ
あだ浪はたて

sokoi naki
fuchi ya wa sawagu
yamagawa no
asaki se ni koso
adanami wa tate

Helen Craig McCullough hat das Gedicht in ihrem Buch Kokin Wakashū. The First Imperial Anthology of Japanese Poetry (Stanford, California: Stanford University Press, 1985, S. 159) wie folgt ins Englische übersetzt:

Do waters clamor
inside a bottomless pool?
The shallow rapid
of a brawling mountain stream –
that is where noisy waves rise!

Wo Nichtwissen Seligkeit, ist es Torheit, weise zu sein.

「知らないのが幸福なら、知ることは愚か」(トマス・グレイ、1716~1771)
Shiranai no ga kōfuku nara, shiru koto wa oroka
“Where ignorance is bliss, ’tis folly to be wise.”
„Wo Nichtwissen Seligkeit, ist es Torheit, klug zu sein.“ (Thomas Gray, 1716–1771)

Anmerkung
Das Zitat stammt aus den beiden letzten Zeilen des von Thomas Gray im Jahr 1742 verfaßten Gedichts „Ode on a Distant Prospect of Eton College“ (veröffentlicht 1747).