Gleiches Bett, verschiedene Träume

同床異夢
dōshō imu
Gleiches Bett, verschiedene Träume.
Eheleute schlafen im gleichen Bett, leben aber in verschiedenen Welten.
Eine Kooperation eingehen, aber nur seine eigenen Ziele verfolgen.

同床異夢
dōshō imu
Same bed, different dreams.
We may sleep in the same bed, but we have different dreams.
Circumstances may have thrown us together, but our values and objectives are widely different.

Schönheit liegt im Auge des Betrachters [2]

惚れた欲目に痘痕も靨
Horeta yokume ni abata mo ekubo
Für die Augen eines Verliebten sind selbst Pockennarben Lachgrübchen.
Liebe verdeckt viele Schwächen.
Liebe macht taub und blind.
Liebe macht blind.
Schönheit liegt im Auge des Betrachters.

惚れた目には痘痕も靨
Horeta me ni wa abata mo ekubo
To a lover’s eyes even a pockmark is a dimple.
Love covers many infirmities.
Love is deaf as well as blind.
Love is blind.
Beauty is in the eye of the beholder.

Ich habe noch nie gelogen.

嘘と坊主の頭はゆったことがない
Uso to bōzu no atama wa yutta koto ga nai
I have never told a lie and I have never tied up the queue of a buddhist monk.
Ich habe noch nie gelogen und noch nie den Zopf eines buddhistischen Mönches gebunden.

Anmerkung
Die sprichwörtliche Redensart Uso to bōzu no atama wa yutta koto ga nai  「嘘と坊主の頭はゆったことがない」  war ursprünglich ein witzig gemeintes Wortspiel im Edo-Dialekt (heute Tokyo), das mit einer Unmöglichkeit spielte, um zu betonen, daß man selbst bis dato noch nicht gelogen habe. Die beiden Elemente des Wortspieles lauten uso o yuu  「嘘を言う」  = lügen und (bōzu no) atama o yuu  「(坊主の)頭を結う」 = das Haar oder den Zopf (eines buddhistischen Mönches) zusammenbinden. Die offensichtliche Unmöglichkeit ist das Zusammenbinden des Zopfes eines buddhistischen Mönches, weil diese in Japan in der Edo-Zeit in der Regel einen kahlrasierten Kopf kultivierten. Die behauptete Gleichung von zwei Unmöglichkeiten unterstreicht die absolute Ehrlichkeit des Sprichwort-Benutzers.

Im alten Indien war das Rasieren des Kopfes eine der größten Erniedrigungen und galt als eine Art der Bestrafung für Kriminelle. Dieser Brauch verbreitete sich auch in Ostasien als rituelle und spirituelle Reinigung, entwickelte sich nach Zeit und Ort jedoch unterschiedlich. Das Kahlscheren galt und gilt in Japan noch heute als äußeres Zeichen für das Eingeständnis eines Fehlers und innere Buße. Im Buddhismus verbindet man mit den Haaren und der Sorge um die Schönheit der Haare niedere weltliche Gedanken und Ablenkung vom Bestreben nach Erleuchtung, gleichwohl die Handhabung dieses Brauches je nach Glaubensgemeinschaft sehr unterschiedlich war und ist.

Das Leben ist wie Radfahren.

「人生とは自転車のようなものだ。倒れないようにするには走らなければならない。」
(アルベルト・アインシュタイン、1879年~1955年)
Jinsei to wa jitensha no yō na mono da. Taorenai yō ni suru ni wa hashiranakereba naranai
“Life is like riding a bicycle. To keep your balance, you must keep moving.”
„Das Leben ist wie Fahrrad fahren. Um das Gleichgewicht zu halten, mußt du in Bewegung bleiben.“ (Albert Einstein, 1879–1955)

Aus Fehlern lernen

七転び八起き
Nanakorobi yaoki
Fällst du siebenmal hin, steh achtmal wieder auf.
Wenn du beim ersten Mal keinen Erfolg hast, versuche es wieder und wieder.
Das menschliche Leben ist eine Serie von Niederlagen.
Niederlagen schulen den Charakter.
Der Mensch wächst auch mit seinen Niederlagen.
An Niederlagen wächst man, wenn man daraus lernt.

七転び八起き
Nanakorobi yaoki
Fall down seven times, get up eight.
If at first you don’t succeed, try, try again.
A man’s [and a woman’s] walking is succession of falls.
If you’re not failing, you’re not growing.
You can’t learn from your mistakes unless you acknowledge what went wrong.
Failure is the seed of growth and success.

Je mehr, desto besser.

多々益々弁ず
Tata masumasu benzu
Lieber zuviel als zu wenig.
Je mehr, desto besser.

多々益々弁ず
Tata masumasu benzu
The more, the better.
Abundance is welcome.

Anmerkung
Der moderne Mensch in Japan zieht in der heutigen gesprochenen Sprache im Alltag sowie in der Schriftsprache für „Je mehr, desto besser.“ wahrscheinlich häufiger Ōkereba ōi hodo yoi  「多ければ多いほど良い」  der obengenannten Wendung vor. Die sprichwörtliche Redensart Tata masumasu benzu  「多々益々弁ず」  ist bildungssprachlich relevant, hat einen militärhistorischen Hintergrund aus dem alten China und bezog sich ursprünglich auf die Zahl der für eine Schlacht zur Verfügung stehenden Soldaten.

Kein Blatt vor den Mund nehmen

歯に衣着せぬ
Ha ni kinu kisenu
Die Zähne kein Gewand tragen lassen.
Kein Blatt vor den Mund nehmen.
Roß und Reiter nennen.
Die Dinge beim Namen nennen.

歯に衣着せぬ
Ha ni kinu kisenu
Unclothed teeth.
Uncovered teeth.
Unhidden teeth.
To call a spade a spade.

Realität ist nur eine Illusion.

「現実は単なる幻想にすぎない。非常にしつこいものではあるが。」(アルベルト・アインシュタイン、1879年~1955年)
Genjitsu wa tannaru gensō ni suginai. Hijō ni shitsukoi mono de wa aru ga
“Reality is merely an illusion, albeit a very persistent one.”
„Realität ist nur eine Illusion, allerdings eine sehr hartnäckige.“ (Albert Einstein, 1879–1955)

Eiswand am F1-KKW offiziell betriebsbereit

Arbeiter auf dem Gelände des Fukushima-Daiichi-Kernkraftwerkes (F1-KKW) von TEPCO [Tokyo Electric Power Company Holdings, Inc.] haben am 22. August 2017 von 9 bis 9:30 Uhr die Ventile der Gefrierrohre auf dem bergseitig-westlich gelegenen, sieben Meter langen letzten Abschnitt der idealiter in naher Zukunft wasserundurchlässigen „Eiswand“ [engl. frozen-soil shielding wall oder auch frozen soil wall, jp. tōdo shasuiheki 凍土遮水壁, kurz tōdoheki 凍土壁] um die Reaktorgebäude und die Maschinenhäuser der F1-KKW-Reaktoren Nr. 1 bis 4 geöffnet. Die Eiswand ist somit vollumfänglich betriebsbereit und in Betrieb genommen. Wie lange es dauern wird, bis auf den letzten sieben Metern Gefrierkörper um die Gefrierrohre entstehen und sich zu größeren Frostkörpern im Boden zusammenfügen, hängt von der Fließgeschwindigkeit des Grundwassers ab, die hier relativ groß ist. Man rechnet mit etwa zwei bis drei Monaten. Die Ortsdosisleistung der Arbeiter während ihres Einsatzes soll laut TEPCO 100 Mikrosievert pro Stunde betragen haben.

Die Eiswand ist etwa 1,5 Kilometer lang, 5 bis 6 Meter dick und 30 Meter tief. Die Eiswand durchziehen 1.568 Gefrierrohre mit einem Durchmesser von jeweils etwa 10 Zentimetern. Als Kühlflüssigkeit beziehungsweise Kälteträger dient nicht Flüssigstickstoff, sondern eine wässrige Lösung von Kalziumchlorid. Jede der installierten 30 Kältemaschinen soll 70 Tonnen für 24 Stunden auf minus 30 Grad Celsius gefrieren lassen können. In 85 Zentimeter Entfernung von den Gefrierrohren verteilen sich 360 Glasfaserthermometer, um die Bodentemperatur im Vollbetrieb ständig überprüfen zu können. Darüber hinaus dienen 82 Brunnen zur ständigen Beobachtung des Grundwasserspiegels.

Zweck der in diesem Maßstab weltweit erstmals verwirklichten Bodenvereisung ist ein Schutzwall gegen eindringendes Grundwasser seit der Dreifachkatastrophe vom 11. März 2011 (Erdbeben, Riesenflutwelle, Kernschmelzen in den Reaktoren Nr. 1 bis 3). Lange Zeit strömten täglich rund 300 bis 400 Tonnen [Kubikmeter] Grundwasser in die zerstörten Kernreaktorgebäude des F1-KKW hinein und zum Teil auch wieder heraus. Dabei wurde es unvermeidlicherweise radioaktiv kontaminiert. Der ingenieurwissenschaftlichen Theorie nach soll die wasserundurchlässige Eiswand die Wasserkontaminations- und Stilllegungsprobleme des Betreibers TEPCO wenn nicht lösen, so doch erheblich reduzieren.

Hauptvertragsnehmer für die Eiswand ist seit Ende 2013 die weltweit tätige Baufirma Kajima AG [Kajima Corporation, jp. Kajima Kensetsu KK 鹿島建設株式会社]. Über die Technologie zur Bodenvereisung verfügt in Japan neben Kajima nur noch das mittelgroße Unternehmen Chemical Grouting Co., Ltd. [jp. Kemikaru Gurauto KK]. Die Eiswand wurde nicht auf einmal abrupt als Ganzes in Betrieb genommen, sondern nach Abschnitten stufenweise, um die Auswirkungen und den Wirkungsgrad messen und erforderlichenfalls leichter gegensteuern zu können; wenn der Grundwasserspiegel als Folge des Eiswandbetriebes sinken sollte, könnte der Wasserspiegel in den Reaktorgebäuden steigen und das kontaminierte Wasser austreten, so eine Befürchtung der beteiligten Ingenieure und Wissenschaftler. Zu so einem Austritt kam es tatsächlich am 2. August bei einem Brunnen in der Nähe des Reaktors Nr. 4, das Ganze blieb jedoch örtlich begrenzt. Die erste Kältemaschine hatte am 31. März 2016 den Betrieb aufgenommen.

Die Kosten für die Eiswand hat nicht TEPCO beglichen, sondern die Regierung mit bislang etwa 34,5 Milliarden Yen (etwa 260 bis 300 Millionen Euro) Steuergeldern finanziert. Für den laufenden Betrieb sind aktuell eine Milliarde Yen (rd. 8 Millionen Euro) pro Jahr veranschlagt. TEPCO-Geschäftsführer Naohiro Masuda – bis 2011 Leiter des Fukushima Daini-Kernkraftwerkes (F2-KKW), seit April 2014 in Personalunion Präsident des Unternehmens zur Dekontamination und Stilllegung des F1-KKW [engl. Fukushima Daiichi Decontamination and Decommissioning Engineering Company, jp. Fukushima Daiichi Hairo Suishin Kanpanī 福島第一廃炉推進カンパニー] – gab sich vor dem 22. August vorsichtig optimistisch, aber schon vor der Inbetriebnahme gab es erhebliche Zweifel am Wirkungsgrad der Eiswand, nicht zuletzt auch von Seiten der japanischen Atomaufsichtsbehörde sowie verschiedener beteiligter Ministerien.

Masato Kino, der zuständige Beamte für Reaktorstilllegung und Maßnahmen gegen kontaminiertes Wasser im Amt für Bodenschätze und Energie (ANRE) [Agency for Natural Resources and Energy, jp. Shigen Enerugī Chō 資源エネルギー庁] unter der Ägide des Wirtschaftsministeriums sagte in diesem Zusammenhang, dass die Eiswand eine von mehreren Maßnahmen zur Verringerung der Wasserkontamination auf dem Gelände des F1-KKW sei. Hiermit dürften unter anderem das Umleiten von Grundwasser, die Grundwasser-Drainagebrunnen, das Abpumpen und das technisch machbare Dekontaminieren gemeint sein. Mit der Schließung des letzten Abschnitts der Eiswand versprechen sich TEPCO und das Wirtschaftsministerium eine Verringerung der Einströmungsmenge von Grundwasser auf unter 100 Tonnen pro Tag. Von einer bergseitigen „wasserundurchlässigen Eiswand“ im strengen wörtlichen Sinne kann also noch keine Rede sein, schon gar nicht monokausal.

TEPCO-Vorstand Takashi Kawamura sagte Mitte Juli 2017 vor Medienvertretern unter dem Druck von bereits dicht an dicht in Metalltanks auf dem Gelände des F1-KKW stehenden 800.000 Tonnen Wasser in einem in Japan vielbeachteten Interview, dass die Entscheidung, das zu etwa drei Vierteln um 62 Radionuklide – darunter Cäsium und Strontium – dekontaminierte Wasser [mit bislang unfilterbarem Tritium (Halbwertszeit 12,32 Jahre)] ins Meer abzulassen, „bereits gefallen“ sei, was zu einem Sturm der Entrüstung nicht nur bei lokalen Fischereigenossenschaften geführt hat.