Eine Entdeckung

「発見とは、皆が見たことのあるもので誰も考えたことのないことを見つけることである。」(アルベルト・セント=ジェルジ、1893年~1986年)
Hakken to wa, mina ga mita koto no aru mono de dare mo kangaeta koto no nai koto o mitsukeru koto de aru.
“Discovery consists of seeing what everybody has seen and thinking what nobody has thought.”
„Eine Entdeckung besteht darin, etwas zu sehen, was jedermann gesehen hat, und sich dabei etwas zu denken, was noch niemand gedacht hat.“ (Albert Szent-Györgyi, 1893–1986)

Anmerkung
Albert Szent Györgyi (1893–1986) wurde in Budapest geboren und erhielt im Jahr 1937 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für die Isolierung der Ascorbinsäure (Vitamin C).

Der Kopf eines Hundes oder der Schwanz eines Löwen

鶏口となるも牛後となるなかれ
Keikō to naru mo gyūgo to naru nakare
Lieber der Schnabel eines Huhns als der Schwanz eines Ochsen sein.
„Mallem hic primus esse quam Romae secundus.“ (Gaius Julius Caesar, 100–44 v.u.Z.)
„Lieber der Erste hier als der Zweite in Rom.“
Lieber der Erste im Dorf als der Zweite in der Stadt!

鶏口となるも牛後となるなかれ
Keikō to naru mo gyūgo to naru nakare
Better be the head of a chicken than the tail of an ox.
Better be the head of a dog than the tail of a lion.
“I would rather be first here than second at Rome.”
Better be first in a village than second in the capital.

Anmerkung
Neben „Lieber der Schnabel eines Huhns als der Schwanz eines Ochsen sein.“ [鶏口となるも牛後となるなかれ Keikō to naru mo gyūgo to naru nakare] gibt es in der japanischen Gegenwartssprache eine Reihe von synonymen sprichwörtlichen Redensarten, wie zum Beispiel: „Selbst bei den Saatkartoffeln ist eine Mutterknolle eine Mutterknolle.“ [Imogashira de mo kashira wa kashira 芋頭でも頭は頭], „Lieber der Kopf eines kleinen Vogels als der Schwanz eines großen Vogels.“ [Ōtori no o yori kotori no kashira 大鳥の尾より小鳥の頭] und „Lieber der Kopf einer Sardine als der Schwanz einer Meerbrasse.“ [Tai no o yori iwashi no kashira 鯛の尾より鰯の頭]. Der Ausspruch existiert in Japan sowie in China auch als kompaktes Vier-Schriftzeichen-Kompositum. Auf Japanisch keikō gyūgo [鶏口牛後] und auf Chinesisch jī kǒu niú hòu [Kurzzeichen 鸡口牛后, Langzeichen 鶏口牛後], wörtlich etwa „Hühnerschnabel und Ochsenhintern“ im Sinne von „Lieber der Schnabel eines Geflügels als das Hinterteil eines Ochsen.“ [ch. “宁为鸡口,无为牛后” níngwéi jīkǒu, wúwéi niúhòu, Langzeichen: “寧為雞口,无無為後”]. In der Gegenwart würde man diese länder- und kulturübergreifend insbesondere Entrepreneuren und Leadern zugeschriebene Geisteshaltung möglicherweise wie folgt übersetzen: „Lieber der unumschränkte Chef einer kleineren Gruppe als Befehlsempfänger in einer größeren Organisation sein!“

Der Ausspruch Caesars „Lieber der Erste hier als der Zweite in Rom.“ [„Mallem hic primus esse quam Romae secundus.“] stammt aus einer Parallelbiographie von Plutarch (ca. 46–125 n.u.Z.) über Gaius Julius Caesar (100–44 v.u.Z.) und Alexander den Großen (356–323 v.u.Z.) und ist daher auf Altgriechisch überliefert [„παρὰ τούτοις εἶναι μᾶλλον πρῶτος ἢ παρὰ Ῥωμαίοις δεύτερος.“]. Plutarch pflegte in seinen biographischen Schriften einen anekdotischen Stil und stellte darin die individuellen Denkweisen, Stimmungen und Leidenschaften großer Männer vor. Caesar soll den Ausspruch im Jahr 61 v.u.Z. gegenüber seinen Begleitern in der Nähe eines alpinen Dorfes auf dem Weg von Gallien zur Iberischen Halbinsel getätigt haben. Eine englische Übersetzung findet sich in Plutarchus (1914): Plutarch’s Lives. In eleven volumes. With an English translation by Bernadotte Perrin. Volume 7: Demosthenes and Cicero. Alexander and Caesar. Cambridge, MA: Harvard University Press. London: William Heinemann, S. 469.

Des Argwohns Brille

「疑心暗鬼の眼鏡をかけりゃ
ザワークラウトに芋虫現る」
(ヴィルヘルム・ブッシュ、1832年~1908年)
Gishin anki no megane o kakerya
zawākurauto ni imomushi arawaru
“He who looks through the eyeglasses of suspicion,
sees caterpillars even in sauerkraut.”
„Wer durch des Argwohns Brille schaut,
sieht Raupen selbst im Sauerkraut.“
(Wilhelm Busch, 1832–1908)

Der erste Schritt ist immer der schwerste.

千里の道も一歩から
Senri no michi mo ippo kara
Auch eine Reise von tausend Ri beginnt mit dem ersten Schritt.
Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt.
Rom wurde nicht an einem Tag erbaut.
Irgendwo muß man anfangen.
Aller Anfang ist schwer.
Der erste Schritt ist immer der schwerste.

千里の道も一歩から
Senri no michi mo ippo kara
Even a thousand-mile journey begins with the first step.
Rome was not built in a day.
You have to start somewhere.
Step after step the ladder is ascended.
He who would climb the ladder must begin at the bottom.
The first step is always the hardest.

Anmerkung
Ri 里 ist ein altes ostasiatisches Maß. Im heutigen China 500 m, in Japan ca. 3,9 km und in Korea ca. 400 m. Ursprünglich war die Einheit „lǐ“ ein Flächenmaß in der chinesischen Zhou-Dynastie (1046–256 v.u.Z.). Sie entwickelte sich zu einem Längenmaß mit im Laufe der Jahrhunderte wechselnden Bestimmungen. „Tausend Ri“ (chinesisch 里, koreanisch ri 리) wird im übertragenen Sinne für eine lange Wegstrecke wie „tausend Meilen“ oder „tausend Kilometer“ benutzt. Die chinesische Entsprechung aus Kapitel 64 des Laozi zugeschriebenen Werkes Daodejing [Dào Dé Jīng 道德經|道德经] lautet: 千里之行,始于足下。 Qiān lǐ zhī xíng, shǐ yú zú xià. Wörtlich etwa: Eine Reise von tausend chinesischen Meilen beginnt unter den Füßen. Mit anderen Worten: Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt.

Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es.

「善というものはない。善行をすること以外には。」(エーリッヒ・ケストナー、1899年~1974年)
Zen to iu mono wa nai. Zenkō o suru koto igai ni wa
“There’s nothing good. Unless you do it.”
„Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es.“ (Erich Kästner, 1899–1974)

So eine Arbeit wird eigentlich nie fertig

「このような作品にはもともと、けっして完成ということはないものだ。時間と事情とに応じてできるかぎりのことをやってしまえば、それは完成したものといわなくてはならない。」  (ヨハン・ヴォルフガング・フォン・ゲーテ、イタリア紀行:カゼルタにて、一七七八年三月十六日)
Kono yō na sakuhin ni wa motomoto, kesshite kansei to iu koto wa nai mono da. Jikan to jijō to ni ōjite dekiru kagiri no koto o yatte shimaeba, sore wa kansei shita mono to iwanakute wa naranai.
“Such a work is never finished: it must, however, pass for such, as soon as the author has done his utmost, considering time and circumstances.” (The Works of J. W. von Goethe‎, Vol. 12, Letters from Italy, Naples, Caserta, March 16, 1787)
„So eine Arbeit wird eigentlich nie fertig, man muß sie für fertig erklären, wenn man nach Zeit und Umständen das möglichste getan hat.“ (Goethes Italienische Reise, Neapel, Caserta, den 16. März 1787)

Der US-Dollar

「ドルは我々の通貨だが、それは君たちの問題だ!」(ジョン・コナリー米財務長官、1971年)
Doru wa wareware no tsūka da ga, sore wa kimitachi no mondai da!
“The dollar is our currency, but it’s your problem!”
„Der US-Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem!“ (John Connally, US-Finanzminister, 1971)

Anmerkung
Am 15. August 1971 verkündete die Regierung von US-Präsident Richard Nixon (1913–1994), dass das zwischenstaatliche kommerzielle Recht, den US-Dollar in Gold umtauschen zu dürfen (35 US$/Feinunze Gold = 31,1034768 Gramm), abgeschafft werden müsse, um die Stabilität des amerikanischen Wirtschaftssystems gewährleisten zu können. Die allgemeine Aufnahme dieser Bekanntmachung wurde weltweit als „Nixon-Schock“ bekannt. Mit dem Satz „Der US-Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem!“ verteidigte und bekräftigte US-Finanzminister John Connally (1917–1993) betont hemdsärmelig während eines Treffens mit den Finanzministern der G10-Industrienationen in Rom (30.11.–01.12.1971) die ex cathedra verkündete Politik einer Loslösung des US-Dollars vom Goldstandard respektive einer im Laufe der Zeit fiktiv gewordenen Werthaltigkeit des US-Dollars im Verhältnis zum Gold als alternativlos. Der Nixon-Schock besiegelte praktisch und faktisch das lange Ende des Bretton-Woods-Systems (1944–1973) und läutete den Übergang zu einem Weltwirtschaftssystem mit einem – in den meisten Ländern – frei schwankenden Wechselkurs ein. Die weltweiten Finanzmärkte bestätigten den US-Dollar danach als Leit-, Anker-, Reserve-, Transaktions-, Anlage- und Handelswährung Nr. 1 und befinden jeden Tag neu über diesen vortrefflichen Status.

Im Zweifel für den Angeklagten.

「疑わしきは罰せず」
Utagawashiki wa bassezu
In dubio pro reo.
Im Zweifel für den Angeklagten. [Zweifelssatz]

「疑わしきは被告人の利益に」
Utagawashiki wa hikokunin no rieki ni
Bénéfice du doute.
When in doubt, for the accused.

Glück im Unglück, Unglück im Glück

「人間万事塞翁が馬」
Ningen banji sai ō ga uma
Alles im menschlichen Leben ist wie die Geschichte vom Pferd des alten Mannes.
In allem Schlechten liegt das Gute im Ansatz schon verborgen.
Es hat alles sein Gutes.
Glück kann jederzeit in Unglück umschlagen und umgekehrt.
Glück und Unglück liegen nahe beieinander.
Glück im Unglück, Unglück im Glück.

「人間万事塞翁が馬」
Ningen banji sai ō ga uma
Everything in human life is like the story about the horse of the old man.
Misfortune begets fortune, and fortune begets misfortune.
A setback may turn out to be a blessing in disguise.
Every cloud has a silver lining.
A joyful evening may follow a sorrowful morning.
Joy and sorrow are today and tomorrow.

Anmerkung
Die obengenannte japanische Redewendung stammt ursprünglich aus China und ist eine sprichwörtliche Redensart [ch. chéngyǔ 成语 / 成語, jp. seigo], die auf einer alten Begebenheit [ch. gùshì 故事, jp. koji seigo 故事成語] beruht. Auf Japanisch kann Ningen banji sai ō ga uma「人間万事塞翁が馬」 auch Sai ō ga uma 「塞翁が馬」 abgekürzt werden. Und ningen 「人間」 kann auch jinkan gelesen werden. Chinesischen Grund- und Mittelschülern begegnet das obenstehende Gleichnis der untenstehenden Erzählung in etwa wie folgt: „War es nicht letztlich ein Glück, dass dem Alten an der Grenze sein Pferd davonlief?“ [「塞翁失马,焉知非福」 Sài wēng shī mǎ, yān zhī fēi fú]. Die Parabel kann daher auch frei „Glück im Unglück, Unglück im Glück“ übersetzt werden.

Kurze Zusammenfassung: Im alten China wohnte im nördlichen Grenzland in der Nähe einer Festung ein älterer Mann, der sich auf Zeichendeutung verstand. Sein Pferd entlief ihm eines Tages in das Gebiet der Xiongnu 匈奴 [ch. Xiōngnú, jp. Kyōdo], einem Volk von Reiternomaden. Die Leute hatten Mitleid mit ihm, aber er glaubte fest an eine positive Wendung: Das Glück wird mir bald wieder lachen. Und tatsächlich. Nach einiger Zeit kam sein Pferd zusammen mit einem anderen, viel edleren Pferd aus dem Gebiet der Xiongnu zurück. Die Leute beglückwünschten ihn wegen des rassigen Pferdes, und er dachte deshalb bei sich: Das wird nicht gut enden. Und so kam es auch. Als sein Sohn eines Tages auf dem neuen Pferd ritt, fiel er herunter und brach sich ein Bein. Als die Leute ihm einen Krankenbesuch abstatteten und ihn bedauerten, dachte der Greis bei sich: Das Unglück wird sicher bald wieder in Glück umschlagen. Und so kam es auch. Als die Xiongnu später im Grenzgebiet angriffen, wurde sein Sohn als Kranker nicht zum Kriegsdienst eingezogen, sondern davon befreit und wurde deshalb weder verletzt noch getötet, wie die meisten waffentauglichen Freiwilligen damals.

Als ursprüngliche Quelle der sprichwörtlichen Redensart aus dem Gleichnis gilt das chinesische philosophische Werk Huainanzi [ch. Huáinánzǐ 《淮南子》, jp. Enanji/Wainanji 『淮南子』] der Frühen Han-Dynastie (206 v.u.Z.–8 n.u.Z.). Ursprünglich wurde es als Honglie [ch. Hóngliè《鴻烈》] bezeichnet, ist aber auch bekannt unter den Werktiteln Huainan honglie [ch. Huáinán hóngliè 《淮南鴻烈》], Huainan neipian [ch. Huáinán nèipiān 《淮南內篇》], Huainan wangshu [ch. Huáinán wángshū 《淮南王書》] und Liuanzi [ch. Liúānzǐ 《劉安子》]. Der letztgenannte Liu An 劉安 (179–122 v.u.Z.) [ch. Liú Ān, jp. Ryū An] war der König von Huainan, heute eine Millionenstadt in der südöstlichen Binnenprovinz Anhui, und fungierte als gelehrter König zugleich als leitender Herausgeber des großenteils daoistischen Werkes, mit konfuzianischen und legalistischen Einschlägen.

Verträge sind einzuhalten.

「合意は守られなければならない」
Gōi wa mamoranakereba naranai
Pacta sunt servanda.
Verträge sind einzuhalten.

「合意は拘束する」
Gōi wa kōsoku suru
Les conventions doivent être respectées.
Agreements must be kept.