Hans Dampf in allen Gassen

「多芸は無芸」
Tagei wa mugei
Wer zu viele Künste zu beherrschen sucht, meistert keine.
Wer vielen Künsten dient, dient keiner.
Hans Dampf in allen Gassen.

「多芸は無芸」
Tagei wa mugei
Too many accomplishments make no accomplishment.
A person who has a competent grasp of many skills but who is not outstanding in any one.
Jack of all trades, master of none.

Genug ist genug.

「仏の顔も三度」
Hotoke no kao mo sando
Selbst ein Buddha gerät aus der Fassung, wenn er dreimal ins Gesicht geschlagen wird.
Wenn man ihn zu sehr reizt, fährt auch der Geduldigste aus der Haut.
Genug ist genug.

「仏の顔も三度」
Hotoke no kao mo sando
Even Buddha may be upset if his face is hit three times.
To try the patience of a saint.
Enough is enough.

Anmerkung
Dieses Sprichwort steht auf der 5. von 48 Karten des traditionellen Iroha-Kartenspiels von Kyoto (Kyoto Iroha Karuta) und Kamigata (Kamigata Iroha Karuta). Der geographische Begriff Kamigata bezeichnet i.e.S. Kyōto und Ōsaka, i.w.S. darüber hinaus auch die fünf anderen Präfekturen der Kinki-Region namens Hyōgo, Nara, Mie, Shiga und Wakayama. Während der Zeit des Tokugawa-Shogunates (1603–1868) bezeichnete Kamigata die fünf Provinzen Yamato (Präfektur Nara), Yamashiro (Süden der heutigen Präfektur Kyōto), Settsu (Teile der heutigen Präfekturen Ōsaka und Hyōgo), Kawachi (Osten der heutigen Präfektur Ōsaka) und Izumi (Süden der heutigen Präfektur Ōsaka).

Tauben Ohren predigen

「馬の耳に念仏」
Uma no mimi ni nenbutsu
Eine Sutra in ein Pferdeohr.
Tauben Ohren predigen.

「馬の耳に念仏」
Uma no mimi ni nenbutsu
A sutra in a horse’s ear.
Preaching to deaf ears.

Die Welt ist ein Dorf!

「世間は広いようで狭い」
Seken wa hiroi yō de semai
Die Welt ist nicht so groß wie sie scheint.
Die Welt ist ein Dorf!

「世間は広いようで狭い」
Seken wa hiroi yō de semai
It’s a small world after all!
It’s a small world!

Anmerkung
Neben »Seken wa hiroi yō de semai« 「世間は広いようで狭い」 gibt es auch die alternative sprichwörtliche Redensart »Yo no naka wa hiroi yō de semai« 「世の中は広いようで狭い」 in der japanischen Gegenwartssprache.

Einem Tiger Flügel verleihen

「虎に翼」
Tora ni tsubasa
Adding wings to a tiger.
Einem Tiger Flügel verleihen.

Anmerkung
Wenn man in China einen Starken unnotwendigerweise stärkt, sagt man ebenfalls, das sei so, als ob man einem Tiger Flügel verliehe: 如虎添翼 rú hǔ tiān yì. Häufig wird diese Redensart in einem Kontext gebraucht, um zu betonen, dass dieser zusätzliche Vorteil aus der Sicht des Sprechers nicht wünschenswert sei. Der Ausspruch stammt aus dem legalistischen Werk „Meister Han Fei“ [ch. Hán Fēi zǐ 《韓非子》, jp. Kanpishi 『韓非子』] des chinesischen politischen Philosophen Han Fei (ca. 280 bis 233 v.u.Z.). Ein japanisches Synonym dieser sprichwörtlichen Redensart lautet Oni ni kanabō 鬼に金棒 [Einem Dämon noch eine Eisenstange geben]. Es steht auf der 27. von 48 Karten des traditionellen japanischen Iroha-Kartenspiels von Edo (Edo Iroha Karuta), heute Tokyo.

Beharrlichkeit führt zum Ziel.

雨垂れ石を穿つ
Amadare ishi o ugatsu
Regentropfen höhlen den Stein aus.
Gutta cavat lapidem non vi, sed saepe cadendo.
Der Tropfen höhlt den Stein nicht durch Gewalt, sondern durch häufiges Fallen.
La goccia scava la pietra.
Steter Tropfen höhlt den Stein.
Beharrlichkeit führt zum Ziel.

雨垂れ石を穿つ
Amadare ishi o ugatsu
Constant dropping wears away a stone.
Gutta cavat lapidem non vi, sed saepe cadendo.
The drop of water hollows the rock not by force, but by often falling.
With ordinary talent and extraordinary perseverance, all things are attainable.
Little strokes fell big oaks.
Perseverance will bring success.

Anmerkung
Zu dem japanischen Sprichwort Amadare ishi o ugatsu 「雨垂れ石を穿つ」 gibt es eine Reihe von sinnverwandten Sprichwörtern. Semantisch am nächsten stehen ihm Suiteki ishi o ugatsu 「水滴石を穿つ」 und Tenteki ishi o ugatsu 「点滴石を穿つ」. Als Herkunft des Sprichwortes gilt das chinesische Geschichtswerk Hàn Shū 《汉书》 / 《漢書》, japanisch Kanjo 『漢書』. Es wurde in der Späten Han-Dynastie (auch Östliche Han-Dynastie, 25 bis 220 n.u.Z.) herausgegeben und ist die wichtigste Quelle zur Frühen Han-Dynastie (auch Westliche Han-Dynastie, 206 v.u.Z. bis 8 n.u.Z.) sowie zur Herrschaft des chinesischen Kaisers Wáng Mǎng, dessen Regierungszeit von 9 bis 23 n.u.Z. als Interregnum im Bürgerkrieg endete und in die Späte Han-Dynastie mündete. Das ältere klassische Sprichwort lautet shuǐdī shíchuān 水滴​石穿, das jüngere dīshuǐ chuānshí 滴水​穿石. Beide existieren bis in die Gegenwart in der chinesischen Gegenwartssprache fort.

Warten auf Godot

見詰める鍋は煮えない
Mitsumeru nabe wa nienai
Vom Anstarren wird der Topf nicht kochen.
Wenn man auf etwas wartet, dauert es besonders lang.
Beim Warten wird die Zeit lang.

見詰める鍋は煮えない
Mitsumeru nabe wa nienai
Le temps ne passe pas quand on attend.
A watched kettle never boils.
A watched pot never boils.

Das Alte und das Neue

故きを温ねて新しきを知る
Furuki o tazunete atarashiki o shiru
Um das Neue zu verstehen, studiere das Alte.
Wer wissen will, wie etwas werden soll, muss betrachten, was war.

故きを温ねて新しきを知る
Furuki o tazunete atarashiki o shiru
To understand new things, study the old.
(Re-) Visiting (the) old, learn (the) new.

Anmerkung
Diese sprichwörtliche Redensart und Weisheit geht auf den chinesischen Gelehrten Konfuzius (ca. 551 v.u.Z. bis ca. 479 v.u.Z.) zurück und stammt aus dem Lún Yǔ 論語|论语 [jp. Rongo 論語, dt „Gespräche des Konfuzius“, „Analekten des Konfuzius“ oder auch „Gesammelte Aussprüche des Konfuzius“] zum Thema „Staatsgeschäfte“ 為政 [ch. Wéi Zhèng, jp. Isei]. Die obige Weisheit existiert in Ostasien als Vier-Schriftzeichen-Kompositum: 温故知新 [ch. wēngù zhīxīn, jp. onko chishin, kor. ongo jisin, Hangeul: 온고지신].

In diesem Zusammenhang läßt sich eventuell mit einem Bonmot des Bonner Astronomen Friedrich Wilhelm August Argelander (1799–1875) eine Brücke vom chinesischen Altertum zur europäischen Moderne schlagen. Auf die joviale Frage von Friedrich Wilhelm IV. von Preußen (1795–1861) „Nun, Herr Geheimrat, was gibt es Neues am Himmel?“ entgegnete der Astronom „Kennen Majestät denn schon das Alte?“

Nomen est omen.

名は体を表す
Na wa tai o arawasu
Der Name bringt das Wesen eines Dinges zum Ausdruck.
Der Name ist ein Zeichen.
Nomen est omen.

名は体を表す
Na wa tai o arawasu
Names and natures do often agree.
The name is a sign.
Nomen est omen.