Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.

「漁夫の利」
Gyofu no ri
Des Fischers Gewinn.
Wenn Schnepfe und Venusmuschel streiten, fängt der Fischer beide.
Duobus certantibus tertius gaudet.
Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.

「漁夫の利」
Gyofu no ri
The benefit of the fisherman.
A fight between a snipe and a clam ends in the fisherman’s profit.
Two dogs strive for a bone, and a third runs away with it.
When two people quarrel, a third rejoices.

Anmerkung
Die Geschichte von der Schnepfe und der Venusmuschel [ch. yù bànɡ xiānɡ zhēnɡ, yú wēnɡ dé lì 鷸蚌相爭,漁翁得利] stammt ursprünglich aus dem chinesischen Werk „Strategien der Streitenden Reiche“ (ch. Zhànguócè 《戰國策》, jp. Sengokusaku 『戦国策』, engl. “Strategies of the Warring States”) über die Geschichtsepoche zwischen dem 5. und dem 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Das Werk stammt wahrscheinlich aus der Feder des politischen Strategen Su Qin (340–284 v.u.Z.) [Sū Qín 苏秦] und wurde von Liu Xiang (77–6 v.u.Z.) [Liú Xiàng 劉向] herausgegeben. Ein japanisches Synonym für den „Wettkampf zwischen der Schnepfe und der Venusmuschel“ lautet »Ippō no arasoi« 「鷸蚌の争い」. Das Kompositum für Schnepfe und Venusmuschel kann sinojapanisch sowohl Ippō als auch Itsubō 鷸蚌 gelesen werden. In der lebendigsten aller toten europäischen Sprachen ist diese Weisheit auch als Duobus litigantibus tertius gaudet und Duobus certantibus tertius gaudet bekannt.

Der Unterschied liegt in der Differenz.

「五十歩百歩」
Gojippo hyappo
Fünfzig Schritte oder hundert Schritte.
Das ist Jacke wie Hose.
Das ist gehüpft wie gesprungen.

「五十歩百歩」
Gojippo hyappo
Fifty steps or one hundred steps.
Six of one and half a dozen of the other.
It makes no odds.

Anmerkung
Die sprichwörtliche Redensart von den fünfzig oder hundert Schritten, die keinen Unterschied ausmachen, stammt aus der Zeit der Streitenden Reiche (5. Jh. v.u.Z. bis 221 v.u.Z.) beziehungsweise der östlichen Zhou-Dynastie (770–256 v.u.Z.) von dem chinesischen Gelehrten Mengzi 孟子 [ch. Mèngzǐ, jp. Mōshi, 372–289 v.u.Z., latinisiert Mencius]. Mengzi machte sich um die Durchsetzung des Konfuzianismus in China verdient, glaubte an das Gute in der menschlichen Natur und war ein früher Verfechter des Umweltgedankens unter besonderer Berücksichtigung von Nachhaltigkeit.

Eines Tages trifft König Hui 惠王 [ch. Huì Wáng, jp. Kei Ō] des Reiches Liang 梁 [ch. Liáng, jp. Ryō; vor der Hauptstadtverlegung nannte man das Reich eher Wei 魏 (ch. Wèi, jp. Gi)] Mengzi und klagt ihm sein Leid: Die Herrscher der benachbarten Reiche dächten beim Herrschen nicht – so wie er – an das Wohlergehen ihres Volkes; wenn sich zum Beispiel wegen einer Naturkatastrophe in Hedong eine Mißernte ereignet, hilft er seinem Volk selbstverständlich, versorgt es mit Lebensmitteln und siedelt es nach Henei um. Aber obwohl er ein so vorbildlicher, moderner Herrscher ist, wächst seine Bevölkerung genau so wenig wie die in den benachbarten Reichen mit altbackener Führung.

Was mag wohl der Grund sein, richtet er sich fragend an den Gelehrten. Mengzi denkt nach und antwortet sinngemäß: Seine Majestät mögen Kriege. Ich erlaube mir daher, den Krieg als Analogie zu benutzen. Auf dem Schlachtfeld läßt der Kampflärm den Himmel erschüttern. Zwei Armeen mögen sich in einer Pattsituation befinden, aber am Ende gibt es sicher einen Sieger und einen Verlierer. Die besiegten Soldaten werfen ihre Helme und ihre Rüstung weg und rennen flüchtend um ihr Leben. Manche fliehen fünfzig Schritte und halten an, während andere hundert Schritte laufen und abstoppen. Dann lachen die fünfzig Schritte Geflohenen über die Feigheit der hundert Schritte Enteilten. Denken Seine Majestät, dass es hier angebracht sei, zu lachen? König Hui schlägt mit der Faust auf den Tisch und sagt: Natürlich nicht. Ganz gleich, ob sie fünfzig oder hundert Schritte fliehen, es sind die gleichen Deserteure. Mengzi erwidert lächelnd: Da Seine Majestät den Sinn meiner Worte verstanden haben, können Seine Majestät nicht erwarten, dass die Bevölkerung des Reiches Liang größer als die der Nachbarn ist.

Niemals zuviel von etwas

「過ぎたるは及ばざるが如し」
Sugitaru wa oyobazaru ga gotoshi
Zuviel ist ebenso schlecht wie zu wenig.
Mehr ist nicht immer besser.
Mehr als genug ist zuviel.
Niemals zuviel von etwas.

「過ぎたるは及ばざるが如し」
Sugitaru wa oyobazaru ga gotoshi
Too much is as bad as too little.
More than enough is too much.
More is not always better.
Never too much of anything.

Anmerkung
Für die sprichwörtliche Redensart „Zuviel ist nicht immer gut.“ erscheinen Sugitaru wa oyobazaru ga gotoshi 「過ぎたるは及ばざるが如し」 und Ōkerya yoi to wa kagiranai 「多けりゃよいとは限らない」 beziehungsweise das standardsprachliche Ōkereba yoi to wa kagiranai 「多ければよいとは限らない」 weitgehend bedeutungsgleich.

Wer zwei Hasen jagt, fängt keinen. [2]

「虻蜂取らず」
Abu hachi torazu
Weder Bremse noch Wespe fangen.
Wer zweierlei zugleich will, bekommt nichts.
Wer zu viel will, bekommt gar nichts.
Wer zwei Hasen jagt, fängt keinen.

「虻蜂取らず」
Abu hachi torazu
To catch neither horsefly nor wasp.
Between two stools one falls to the ground.
He that hunts two hares loses both.
If you run after two hares, you will catch neither.

Wer zwei Hasen jagt, fängt keinen. [1]

「二兎を追う者は一兎をも得ず」
Ni to o ou mono wa itto o mo ezu
Wer zwei Hasen jagt, fängt keinen.
Duos qui sequitur lepores neutrum capit.
Man kann nicht hinter zwei Hasen zugleich herlaufen.
„Sei wie eine Briefmarke. Bleib an einer Sache dran, bis du am Ziel bist.“ (Josh Billings)
„Multitasking ist bloß die Gelegenheit, mehr als eine Sache auf einmal zu versemmeln.“ (Steve Uzzell)

「二兎を追う者は一兎をも得ず」
Ni to o ou mono wa itto o mo ezu
If you run after two hares, you will catch neither.
Duos qui sequitur lepores neutrum capit.
“Be like a postage stamp. Stick to one thing until you get there.” (Josh Billings)
“Multitasking is merely the opportunity to screw up more than one thing at a time.” (Steve Uzzell)

Hans Dampf in allen Gassen

「多芸は無芸」
Tagei wa mugei
Wer zu viele Künste zu beherrschen sucht, meistert keine.
Wer vielen Künsten dient, dient keiner.
Hans Dampf in allen Gassen.

「多芸は無芸」
Tagei wa mugei
Too many accomplishments make no accomplishment.
A person who has a competent grasp of many skills but who is not outstanding in any one.
Jack of all trades, master of none.

Genug ist genug.

「仏の顔も三度」
Hotoke no kao mo sando
Selbst ein Buddha gerät aus der Fassung, wenn er dreimal ins Gesicht geschlagen wird.
Wenn man ihn zu sehr reizt, fährt auch der Geduldigste aus der Haut.
Genug ist genug.

「仏の顔も三度」
Hotoke no kao mo sando
Even Buddha may be upset if his face is hit three times.
To try the patience of a saint.
Enough is enough.

Anmerkung
Dieses Sprichwort steht auf der 5. von 48 Karten des traditionellen Iroha-Kartenspiels von Kyoto (Kyoto Iroha Karuta) und Kamigata (Kamigata Iroha Karuta). Der geographische Begriff Kamigata bezeichnet i.e.S. Kyōto und Ōsaka, i.w.S. darüber hinaus auch die fünf anderen Präfekturen der Kinki-Region namens Hyōgo, Nara, Mie, Shiga und Wakayama. Während der Zeit des Tokugawa-Shogunates (1603–1868) bezeichnete Kamigata die fünf Provinzen Yamato (Präfektur Nara), Yamashiro (Süden der heutigen Präfektur Kyōto), Settsu (Teile der heutigen Präfekturen Ōsaka und Hyōgo), Kawachi (Osten der heutigen Präfektur Ōsaka) und Izumi (Süden der heutigen Präfektur Ōsaka).

Tauben Ohren predigen

「馬の耳に念仏」
Uma no mimi ni nenbutsu
Eine Sutra in ein Pferdeohr.
Tauben Ohren predigen.

「馬の耳に念仏」
Uma no mimi ni nenbutsu
A sutra in a horse’s ear.
Preaching to deaf ears.

Die Welt ist ein Dorf!

「世間は広いようで狭い」
Seken wa hiroi yō de semai
Die Welt ist nicht so groß wie sie scheint.
Die Welt ist ein Dorf!

「世間は広いようで狭い」
Seken wa hiroi yō de semai
It’s a small world after all!
It’s a small world!

Anmerkung
Neben »Seken wa hiroi yō de semai« 「世間は広いようで狭い」 gibt es auch die alternative sprichwörtliche Redensart »Yo no naka wa hiroi yō de semai« 「世の中は広いようで狭い」 in der japanischen Gegenwartssprache.