Neid ist der Begleiter des Ruhms.

高木は風に折らる
Kōboku wa kaze ni oraru
Hohe Bäume fangen viel Wind.
Invidia gloriae comes. (Cornelius Nepos)
Neid ist der Begleiter des Ruhms.

高木は風に折らる
Kōboku wa kaze ni oraru
Tall trees catch much wind.
The highest branch is not the safest roost.
Envy is a companion to glory.

Anmerkung
Anstelle von Kōboku wa kaze ni oraru 高木は風に折らる kann man auch Taiboku wa kaze ni oraru 大木は風に折らる sagen.

Lebe in der Gegenwart.

明日は明日の風が吹く
Ashita wa ashita no kaze ga fuku
Morgen weht der Wind von Morgen.
„Et kütt wie et kütt.“
[Artikel 2 des Rheinischen Grundgesetzes]
Sorge Dich nicht um morgen.
Es geht immer weiter.
Lebe in der Gegenwart.

明日は明日の風が吹く
Ashita wa ashita no kaze ga fuku
Tomorrow blows tomorrow’s wind.
Let the morn come and the meat with it.

Freude und Schmerz

楽あれば苦あり
Raku areba ku ari
Wo es Freude gibt, gibt es auch Schmerz.
Wer sich vergnügt, muß danach die Zeche zahlen.
Wer seine Zeit verschwendet, dem läuft sie später davon.

楽あれば苦あり
Raku areba ku ari
He that will have the pleasure must endure the pain.
There is no pleasure without pain.
A wasted time is a wasted life.

Anmerkung
Dieses Sprichwort steht auf der 22. von 48 Karten des traditionellen Iroha-Kartenspiels von Edo (Edo Iroha Karuta), heute Tokyo.

Der rechte Weg

「朝に道を聞かば、夕べに死すとも可なり」
Ashita ni michi o kikaba, yūbe ni shisu tomo ka nari
„Wenn ich am Morgen den rechten [Lebens-] Weg erführe, könnte ich am Abend ohne Bedauern und mit Frieden in der Seele sterben.“

「朝聞道,夕死可矣」
zhāo wén dào, xī sǐ kě yĭ
“If in the morning I were to gain knowledge of the correct path (in life), I would be able to die at sunset without regrets.”

Anmerkung
Das Original geht auf den chinesischen Gelehrten Konfuzius (ca. 551 v.u.Z. bis ca. 479 v.u.Z.) zurück und stammt aus dem „Lún Yǔ“ 論語 [Kurzzeichen 论语, jp. „Rongo“, deutsch „Gespräche des Konfuzius“, „Analekten des Konfuzius“ oder auch „Gesammelte Aussprüche des Konfuzius“].

Der Weg ist das Ziel.

「旅そのものが報酬だ」
Tabi sono mono ga hōshū da
The journey is the reward.
Der Weg ist das Ziel.

「旅の過程にこそ価値がある」
Tabi no katei ni koso kachi ga aru
Le voyage est mieux que la fin.
Der Weg ist das Ziel.

Der Kunde ist König.

「お客様は神様」
Okyakusama wa kamisama
Kunden sind Gottheiten.
The customer is king.
Der Kunde ist König.

「顾客就是上帝」
Gùkè jiù shì shàngdì
Le client est l’empereur.
Der Kunde ist Kaiser.
Der Kunde ist König.

Glück im Unglück, Unglück im Glück

「人間万事塞翁が馬」
Ningen banji sai ō ga uma
Alles im menschlichen Leben ist wie die Geschichte vom Pferd des alten Mannes.
In allem Schlechten liegt das Gute im Ansatz schon verborgen.
Es hat alles sein Gutes.
Glück kann jederzeit in Unglück umschlagen und umgekehrt.
Glück und Unglück liegen nahe beieinander.
Glück im Unglück, Unglück im Glück.

「人間万事塞翁が馬」
Ningen banji sai ō ga uma
Everything in human life is like the story about the horse of the old man.
Misfortune begets fortune, and fortune begets misfortune.
A setback may turn out to be a blessing in disguise.
Every cloud has a silver lining.
A joyful evening may follow a sorrowful morning.
Joy and sorrow are today and tomorrow.

Anmerkung
Die obengenannte japanische Redewendung stammt ursprünglich aus China und ist eine sprichwörtliche Redensart [ch. chéngyǔ 成语 / 成語, jp. seigo], die auf einer alten Begebenheit [ch. gùshì 故事, jp. koji seigo 故事成語] beruht. Auf Japanisch kann Ningen banji sai ō ga uma「人間万事塞翁が馬」 auch Sai ō ga uma 「塞翁が馬」 abgekürzt werden. Und ningen 「人間」 kann auch jinkan gelesen werden. Chinesischen Grund- und Mittelschülern begegnet das obenstehende Gleichnis der untenstehenden Erzählung in etwa wie folgt: „War es nicht letztlich ein Glück, dass dem Alten an der Grenze sein Pferd davonlief?“ [「塞翁失马,焉知非福」 Sài wēng shī mǎ, yān zhī fēi fú]. Die Parabel kann daher auch frei „Glück im Unglück, Unglück im Glück“ übersetzt werden.

Kurze Zusammenfassung: Im alten China wohnte im nördlichen Grenzland in der Nähe einer Festung ein älterer Mann, der sich auf Zeichendeutung verstand. Sein Pferd entlief ihm eines Tages in das Gebiet der Xiongnu 匈奴 [ch. Xiōngnú, jp. Kyōdo], einem Volk von Reiternomaden. Die Leute hatten Mitleid mit ihm, aber er glaubte fest an eine positive Wendung: Das Glück wird mir bald wieder lachen. Und tatsächlich. Nach einiger Zeit kam sein Pferd zusammen mit einem anderen, viel edleren Pferd aus dem Gebiet der Xiongnu zurück. Die Leute beglückwünschten ihn wegen des rassigen Pferdes, und er dachte deshalb bei sich: Das wird nicht gut enden. Und so kam es auch. Als sein Sohn eines Tages auf dem neuen Pferd ritt, fiel er herunter und brach sich ein Bein. Als die Leute ihm einen Krankenbesuch abstatteten und ihn bedauerten, dachte der Greis bei sich: Das Unglück wird sicher bald wieder in Glück umschlagen. Und so kam es auch. Als die Xiongnu später im Grenzgebiet angriffen, wurde sein Sohn als Kranker nicht zum Kriegsdienst eingezogen, sondern davon befreit und wurde deshalb weder verletzt noch getötet, wie die meisten waffentauglichen Freiwilligen damals.

Als ursprüngliche Quelle der sprichwörtlichen Redensart aus dem Gleichnis gilt das chinesische philosophische Werk Huainanzi [ch. Huáinánzǐ 《淮南子》, jp. Enanji/Wainanji 『淮南子』] der Frühen Han-Dynastie (206 v.u.Z.–8 n.u.Z.). Ursprünglich wurde es als Honglie [ch. Hóngliè《鴻烈》] bezeichnet, ist aber auch bekannt unter den Werktiteln Huainan honglie [ch. Huáinán hóngliè 《淮南鴻烈》], Huainan neipian [ch. Huáinán nèipiān 《淮南內篇》], Huainan wangshu [ch. Huáinán wángshū 《淮南王書》] und Liuanzi [ch. Liúānzǐ 《劉安子》]. Der letztgenannte Liu An 劉安 (179–122 v.u.Z.) [ch. Liú Ān, jp. Ryū An] war der König von Huainan, heute eine Millionenstadt in der südöstlichen Binnenprovinz Anhui, und fungierte als gelehrter König zugleich als leitender Herausgeber des großenteils daoistischen Werkes, mit konfuzianischen und legalistischen Einschlägen.

Niemand ist vollkommen [2]

弘法にも筆の誤り
Kōbō ni mo fude no ayamari
Auch Kōbō Daishi verschreibt sich manchmal.
Manchmal schläft sogar der große Homer.
Irren ist menschlich.
Niemand ist vollkommen.

弘法にも筆の誤り
Kōbō ni mo fude no ayamari
Even Kōbō makes mistakes with the brush.
Even good old Homer nods.
To err is human.
Nobody is perfect.