Der Kopf einer Sardine oder der Schwanz einer Meerbrasse

鶏口となるも牛後となるなかれ
Keikō to naru mo gyūgo to naru nakare
Lieber der Schnabel eines Huhns als der Schwanz eines Ochsen sein.
„Mallem hic primus esse quam Romae secundus.“ (Gaius Julius Caesar, 100–44 v.u.Z.)
„Lieber der Erste hier als der Zweite in Rom.“
Lieber der Erste im Dorf als der Zweite in der Stadt!

鶏口となるも牛後となるなかれ
Keikō to naru mo gyūgo to naru nakare
Better be the head of a chicken than the tail of an ox.
Better be the head of a dog than the tail of a lion.
“I would rather be first here than second at Rome.”
Better be first in a village than second in the capital.

Anmerkung
Neben „Lieber der Schnabel eines Huhns als der Schwanz eines Ochsen sein.“ [鶏口となるも牛後となるなかれ Keikō to naru mo gyūgo to naru nakare] gibt es in der japanischen Gegenwartssprache eine Reihe von synonymen sprichwörtlichen Redensarten, wie zum Beispiel: „Selbst bei den Saatkartoffeln ist eine Mutterknolle eine Mutterknolle.“ [Imogashira de mo kashira wa kashira 芋頭でも頭は頭], „Lieber der Kopf eines kleinen Vogels als der Schwanz eines großen Vogels.“ [Ōtori no o yori kotori no kashira 大鳥の尾より小鳥の頭] und „Lieber der Kopf einer Sardine als der Schwanz einer Meerbrasse.“ [Tai no o yori iwashi no kashira 鯛の尾より鰯の頭]. Der Ausspruch existiert in Japan sowie in China auch als kompaktes Vier-Schriftzeichen-Kompositum. Auf Japanisch keikō gyūgo [鶏口牛後] und auf Chinesisch jī kǒu niú hòu [Kurzzeichen 鸡口牛后, Langzeichen 鶏口牛後], wörtlich etwa „Hühnerschnabel und Ochsenhintern“ im Sinne von „Lieber der Schnabel eines Geflügels als das Hinterteil eines Ochsen.“ [ch. “宁为鸡口,无为牛后” níngwéi jīkǒu, wúwéi niúhòu, Langzeichen: “寧為雞口,无無為後”]. In der Gegenwart würde man diese länder- und kulturübergreifend insbesondere Entrepreneuren und Leadern zugeschriebene Geisteshaltung möglicherweise wie folgt übersetzen: „Lieber der unumschränkte Chef einer kleineren Gruppe als Befehlsempfänger in einer größeren Organisation sein!“

Der Ausspruch Caesars „Lieber der Erste hier als der Zweite in Rom.“ [„Mallem hic primus esse quam Romae secundus.“] stammt aus einer Parallelbiographie von Plutarch (ca. 46–125 n.u.Z.) über Gaius Julius Caesar (100–44 v.u.Z.) und Alexander den Großen (356–323 v.u.Z.) und ist daher auf Altgriechisch überliefert [„παρὰ τούτοις εἶναι μᾶλλον πρῶτος ἢ παρὰ Ῥωμαίοις δεύτερος.“]. Plutarch pflegte in seinen biographischen Schriften einen anekdotischem Stil und stellte darin die individuellen Denkweisen, Stimmungen und Leidenschaften großer Männer vor. Caesar soll den Ausspruch im Jahr 61 v.u.Z. gegenüber seinen Begleitern in der Nähe eines alpinen Dorfes auf dem Weg von Gallien zur Iberischen Halbinsel getätigt haben. Eine englische Übersetzung findet sich in Plutarchus (1914): Plutarch’s Lives. In eleven volumes. With an English translation by Bernadotte Perrin. Volume 7: Demosthenes and Cicero. Alexander and Caesar. Cambridge, MA: Harvard University Press. London: William Heinemann, S. 469.

Das Alter

年齢は特に面白い主題ではない。
Nenrei wa toku ni omoshiroi shudai de wa nai.
誰だって年を取るのだから。
Dare datte toshi o toru no da kara.
誰もがしなければならないことはただ充分長く生きるということだ。(グルーチョ・マルクス)
Dare mo ga shinakereba naranai koto wa tada jūbun nagaku ikiru to iu koto da.
„Age is not a particularly interesting subject. Anyone can get old. All you have to do is live long enough.“
„Alter ist kein besonders interessantes Thema. Jeder kann alt werden. Man muss nur lang genug leben.“
(Groucho Marx, 1890–1977)

Wenn Schnecken an Schnecken lecken

ドイツの早口言葉:
「カタツムリはカタツムリをなめると驚く。というのは驚くことにカタツムリの多くはおいしくないからだ。」
Katatsumuri wa katatsumuri o nameru to odoroku. To iu no wa odoroku koto ni katatsumuri no ōku wa oishikunai kara da.

German Tongue Twister:
Snails get frightened
When snails lick snails
Because to the dismay of many snails
Snails don’t taste good

Deutscher Zungenbrecher:
Schnecken erschrecken,
wenn Schnecken an Schnecken lecken,
weil zum Schrecken vieler Schnecken
Schnecken nicht schmecken.

Goldene Regel [1]

「他人にしてもらいたいと思うような行為をせよ」
Tanin ni shite moraitai to omou yō na kōi o seyo
Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.
Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.

「他人にしてもらいたいと思うような行為をせよ」
Tanin ni shite moraitai to omou yō na kōi o seyo
One should treat others as one would like others to treat oneself.
One should not treat others in ways that one would not like to be treated.

Anmerkung
Für Europäer war die „Goldene Regel“ kein Reim und stammte aus der Bibel, nämlich aus der Bergpredigt von Jesus (Evangelium des Matthäus, Kapitel 7, Vers 12). Die Herkunft des ethischen und philosophischen Gehalts der Goldenen Regel (lat. regula aurea) wird tatsächlich einer Reihe von Autoren und philosophischen Richtungen aus unterschiedlichen Erdregionen zugeschrieben. Einer davon ist ein chinesischer Gelehrter. Konfuzius (ca. 551 v.u.Z. bis ca. 479 v.u.Z.), im chinesischen Original 孔子 [Kǒngzǐ, etwa „Meister Kong“, jp. Kōshi], führte den Eigennamen Kǒng Qiū 孔丘 und besaß zwei Nachnamen, von denen 子 [Zi] die Ahnenlinie und 孔 [Kong] den Familienzweig markierte. Möglicherweise wurde er von seinen Schülern schlicht mit 子 [Zi, etwa „Meister“] angesprochen. In der Literatur tauchen zahlreiche Namen und Titel auf, die ihm häufig posthum verliehen wurden. Die von europäischen Missionaren wie dem italienischen Jesuiten Matteo Ricci (1552–1610) später verbreitete latinisierte Form „Confucius“ stammt von der honorativen Bezeichnung Kǒng Fūzǐ [孔夫子, etwa „Großmeister Kong“]. Seine Fassung der Goldenen Regel stammt aus Kapitel 15, Vers 23 des Lún Yǔ 論語 [Kurzzeichen 论语, deutsch „Gespräche des Konfuzius“, „Analekten des Konfuzius“ oder auch „Gesammelte Aussprüche des Konfuzius“], einem Klassiker der konfuzianischen Literatur:

「己所不欲,勿施於人」
jǐ suǒ bú yù, wù shī yú rén
»Was du selbst nicht wünschest, tu nicht an andern.«
(Übersetzung Richard Wilhelm)

Ein gebranntes Kind scheut das Feuer.

羹に懲りて膾を吹く
Atsumono ni korite namasu o fuku
Wer von der heißen Brühe bestraft wurde, pustet auch über den kalten Salat.
Wenn man sich an Brühe die Zunge verbrannt hat, dann bläst man selbst bei Salat aus rohem Fisch und Gemüse.
Wer von der Schlange gebissen ist, fürchtet sich vor Eidechsen.
Ein gebranntes Kind scheut das Feuer.

羹に懲りて膾を吹く
Atsumono ni korite namasu o fuku
He who has made bad experience with hot broth, even blows across a cold dish made of raw fish and vegetables seasoned in vinegar.
He that has been bitten by a serpent is afraid of a rope.
A scalded cat fears cold water.
The burnt child dreads the fire.

Gleich und gleich

蛇の道は蛇
Ja no michi wa hebi
Eine Schlange kennt die andere.
Die Bösen durchschauen einander leicht.
Ein Teufel riecht den anderen schon von weitem.

蛇の道は蛇
Ja no michi wa hebi
The wolf knows what the ill beast thinks.
The wicked knows the ways of their own kind.
One devil knows another.

Liebe kennt kein Hindernis.

惚れて通えば千里も一里
Horete kayoeba senri mo ichiri
Für einen Verliebten sind selbst tausend Meilen wie eine.
Für einen Verliebten ist kein Weg zu weit.
Liebe kennt kein Hindernis.

惚れて通えば千里も一里
Horete kayoeba senri mo ichiri
A journey of a thousand miles feels like only one mile when going to see the one you love.
Love shortens the distance.
Love laughs at distance.

Alles was einen Anfang hat

「始まりがあるものには全て終わりがある。」
Hajimari ga aru mono ni wa subete owari ga aru.
“Everything that has a beginning has an end.”

「始まりのあるものには終わりがある。」
Hajimari no aru mono ni wa owari ga aru.
„Alles was einen Anfang hat, hat auch ein Ende.“

Anmerkung
Das Orakel, gespielt von Mary Alice [Smith] (03.12.1936–27.07.2022), in dem Science-Fiction-Film The Matrix Revolutions im 4. Kapitel: Neo beim Orakel, November 2003, dritter Teil der Matrix-Trilogie.

Kinder und Narren

子供は正直
Kodomo wa shōjiki
Children are honest.
Kindermund tut Wahrheit kund.

子供と愚者は本当のことをいう
Kodomo to gusha wa hontō no koto o iu
Children and fools tell the truth.
Kinder und Narren sagen die Wahrheit.

Die Zeiten ändern sich

「時は移ろい、我々も時の移ろいの中で変わる」
Toki wa utsuroi, wareware mo toki no utsuroi no naka de kawaru
Tempora mutantur, et nos mutamur in illis.
The times change, and we change with them.
Die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns in ihnen.