Viele Köche verderben den Brei.

船頭多くして船山に登る
Sendō ōku shite fune yama ni noboru.
Viele Kapitäne steuern das Schiff einen Berg hinauf.
Viele Kapitäne steuern das Schiff auf die Klippen.
Viele Köche verderben den Brei.

船頭多くして船山に登る
Sendō ōku shite fune yama ni noboru.
Too many captains will steer the ship up a mountain.
Many dressers put the bride’s dress out of order.
Too many cooks spoil the broth.

Ein dreitägiger Gast

客と白鷺は立ったが見事
Kyaku to shirasagi wa tatta ga migoto
Gäste und weiße Reiher bieten den prächtigsten Anblick, wenn sie sich erheben.
Ein dreitägiger Gast wird zur Last.

客と白鷺は立ったが見事
Kyaku to shirasagi wa tatta ga migoto
Guests and white herons offer a vision of delight when they take off.
Fish and guests smell after three days.

Keine Rose ohne Dornen. [1]

河豚は食いたし命は惜しし
Fugu wa kuitashi inochi wa oshishi
Kugelfisch genießen wollen, aber am Leben hängen.
Keine Rose ohne Dornen.

河豚は食いたし命は惜しし
Fugu wa kuitashi inochi wa oshishi
I would like to taste fugu, but I value my life.
No rose without a thorn.

Stille Wasser sind tief. [2]

浅瀬に仇波
Asase ni adanami
Je seichter der Strom, desto rauer die Wellen.
Leere Fässer klingen hohl.
Leere Töpfe klappern am meisten.
Ein leerer Topf am meisten klappert, ein leerer Kopf am meisten plappert.
Stille Wasser sind tief.

浅瀬に仇波
Asase ni adanami
Deep rivers move in silence, shallow brooks are noisy.
Wise man [and women] talk because they have something to say; fools because they have to say something.
The empty vessel makes the greatest sound.
Those who know little talk much.
Still waters run deep.

Anmerkung
Die sprichwörtliche Redensart »Asase ni adanami« dient heutzutage als Gleichnis für oberflächliche und launenhafte Menschen, die auch bei geringfügigen Dingen viel Lärm um nichts machen. Für das Bild der rauen, tobenden Wellen [»adanami«] gibt es im Japanischen noch heute drei Schreibweisen: 「仇浪」 「徒波」 「徒浪」. Das Gleichnis kommt in Gedicht Nr. 522 der Anfang des 10. Jahrhunderts vollendeten kaiserlichen Anthologie namens »Kokin Wakashū« 『古今和歌集』 [Sammlung alter und moderner japanischer Gedichte, ca. 920 n.u.Z.] vor. Als Autor dieses Waka – ein Begriff, der in Abgrenzung zu chinesischen Formen der Dichtung geprägt wurde – gilt der buddhistische Mönch Sosei [Sosei Hōshi 素性法師], dessen Lebensdaten unsicher sind (ca. 909 n.u.Z. verstorben). Es handelt sich bei diesem Waka um ein 31-silbiges Kurzgedicht [Tanka 短歌] mit dem typischen Versmaß 5-7-5-7-7, das man recht verschieden, mit mehr oder weniger chinesischen Schriftzeichen (Kanji) und je nach Interpretation mit verschiedenen Kanji schreiben kann: »An tiefen Stellen sind die Wellen der Flußströmung lautlos, aber an Untiefen ohrenbetäubend.« Da das Kurzgedicht im 14. von 20 Büchern der »Blumenlese« zum Thema Liebe und Sehnsucht steht, sind hier durchaus noch weitere Möglichkeiten der Interpretation gegeben, wenn man japanischen und chinesischen Experten für Prosodie und Herzensangelegenheiten folgen würde. Im Folgenden das Kurzgedicht in einer moderneren, um Kanji angereicherten, in einer um Hiragana angereicherten Variante mit lateinischer Transkription und in einer amerikanischen Übersetzungsmöglichkeit:

底ひなき
淵やは騒ぐ
山川の
浅き瀬にこそ
仇波は立て

そこひなき
ふちやはさはぐ
山川の
あさきせにこそ
あだ浪はたて

sokoi naki
fuchi ya wa sawagu
yamagawa no
asaki se ni koso
adanami wa tate

Helen Craig McCullough hat das Gedicht in ihrem Buch Kokin Wakashū. The First Imperial Anthology of Japanese Poetry (Stanford, California: Stanford University Press, 1985, S. 159) wie folgt ins Englische übersetzt:

Do waters clamor
inside a bottomless pool?
The shallow rapid
of a brawling mountain stream –
that is where noisy waves rise!

In der Kürze liegt die Würze. [2]

「従いまして、簡潔は知恵の要、
長話は枝葉末節、尾ひれをつけるにすぎませぬゆえ、
簡潔に申し上げましょう。」
Shitagaimashite, kanketsu wa chie ni kaname
nagabanashi wa shiyō massetsu, ohire o tsukeru ni sugimasenu yue,
kanketsu ni mōshiagemashō.
出典:『ハムレット』(正式題名:「デンマークの王子ハムレットの悲劇」、第二幕 第二場 その1 城の一室 第90~92行、ウィリアム・シェイクスピア著、松岡和子訳.

“Therefore, since brevity is the soul of wit,
And tediousness the limbs and outward flourishes,
I will be brief.”
Source: Polonius in William Shakespeare’s play “Hamlet” (“The Tragedy of Hamlet, Prince of Denmark”), Act 2, Scene 2, Part 1, A room in the castle, Lines 90–92.

„Weil Kürze denn des Witzes Seele ist,
Weitschweifigkeit der Leib und äußre Zierat:
Faß ich mich kurz.“
Quelle: Polonius, Ratgeber des Königs, in der 2. Szene des 2. Aktes der Tragödie „The Tragedy of Hamlet, Prince of Denmark“ („Hamlet“) von William Shakespeare, Ein Zimmer im Schlosse, Zeilen 90–92.

Gut Ding will Weile haben.

待てば海路の日和あり
Mateba kairo no hiyori ari
Wenn man geduldig wartet, wird das Wetter auf der Meeresstraße gut.
Mit Geduld und Zeit kommt man weit.
Gut Ding will Weile haben.

待てば海路の日和あり
Mateba kairo no hiyori ari
If you wait, good weather will come for your sea journey.
Good things come to those who wait.
Everything comes to him who waits.

In der Kürze liegt die Würze. [1]

下手の長談義
Heta no nagadangi
Sich auf das Wichtige beschränken ist besser als lange Reden halten.
Je schlechter der Redner, desto länger seine Rede.
Fasse dich kurz.
In der Kürze liegt die Würze.

下手の長談義
Heta no nagadangi
Many speak much who cannnot speak well.
Brevitas sapientiae anima est.
Brevity is the soul of wit.
Keep it short and simple.

Anmerkung
Das Sprichwort steht auf der 6. von 48 Karten des traditionellen japanischen Iroha-Kartenspiels von Kyoto (Kyoto Iroha Karuta), Osaka (Osaka Iroha Karuta), Kamigata (Kamigata Iroha Karuta) und Owari (Owari Iroha Karuta).

Die Fehler der Anderen

前車の覆るは後車の戒め
Zensha no kutsugaeru wa kōsha no imashime
Das Umkippen des vorderen Wagens ist eine Warnung für den hinteren Wagen.
Lerne aus den Fehlern Anderer.

前車の覆るは後車の戒め
Zensha no kutsugaeru wa kōsha no imashime
The toppling over of the cart in front serves as a warning for the cart behind.
Learn from the mistakes of others.