Der erste Schritt ist immer der schwerste.

千里の道も一歩から
Senri no michi mo ippo kara
Auch eine Reise von tausend Ri beginnt mit dem ersten Schritt.
Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt.
Rom wurde nicht an einem Tag erbaut.
Irgendwo muß man anfangen.
Aller Anfang ist schwer.
Der erste Schritt ist immer der schwerste.

千里の道も一歩から
Senri no michi mo ippo kara
Even a thousand-mile journey begins with the first step.
Rome was not built in a day.
You have to start somewhere.
Step after step the ladder is ascended.
He who would climb the ladder must begin at the bottom.
The first step is always the hardest.

Anmerkung
Ri 里 ist ein altes ostasiatisches Maß. Im heutigen China 500 m, in Japan ca. 3,9 km und in Korea ca. 400 m. Ursprünglich war die Einheit „lǐ“ ein Flächenmaß in der chinesischen Zhou-Dynastie (1046–256 v.u.Z.). Sie entwickelte sich zu einem Längenmaß mit im Laufe der Jahrhunderte wechselnden Bestimmungen. „Tausend Ri“ (chinesisch lǐ 里, koreanisch ri 리) wird im übertragenen Sinne für eine lange Wegstrecke wie „tausend Meilen“ oder „tausend Kilometer“ benutzt.

Lachen ist die beste Medizin.

笑う門には福来たる
Warau kado ni wa fuku kitaru
Durch ein lachendes Tor kommt das Glück herein.
Durch ein Tor, wo viel gelacht wird, kommt das Glück herein.
Das Glück tritt gern in ein Haus ein, wo Frohsinn herrscht.
Das Glück kommt zu denen, die viel lachen.
Lachen ist die beste Medizin.

笑う門には福来たる
Warau kado ni wa fuku kitaru
Fortune comes in at the merry gate.
Fortune and happiness will come to the home of those who smile.
Laugh and grow fat.
Fortune favors cheerful homes.
Laughter is the best medicine.

Anmerkung
Das obige Sprichwort steht auf der 13. von 48 Karten des traditionellen Iroha-Kartenspiels von Kyoto (Kyoto Iroha Karuta) in der Schreibung Warau kado ni wa fuku kitaru  「笑う門には福来る」 sowie von Kamigata (Kamigata Iroha Karuta) in der kürzeren Fassung Warau kado ni fuku  「笑う門に福」. Darüber hinaus ist auch die synonyme Variante Warau tokoro e fuku kitaru  「笑う所へ福来る」 gebräuchlich.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. [1]

蛙の子は蛙
Kaeru no ko wa kaeru
Das Kind eines Frosches ist ein Frosch.
Auch das Kind eines Frosches ist ein Frosch.
Wie die Eltern, so das Kind.
Wie der Vater, so der Sohn.
Wie die Mutter, so die Tochter.
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

蛙の子は蛙
Kaeru no ko wa kaeru
The child of a frog is a frog.
Nits will be lice.
Like hen, like chicken.
Like father, like son.
Like mother, like daughter.
The apple doesn’t fall far from the tree.

Niemand ist vollkommen [1]

猿も木から落ちる
Saru mo ki kara ochiru
Selbst ein Affe fällt manchmal vom Baum.
Jeder macht mal einen Fehler.
Niemand ist vollkommen.

猿も木から落ちる
Saru mo ki kara ochiru
Even monkeys fall from trees.
Anybody can make a mistake.
Nobody is perfect.

Perlen vor die Säue versus Goldmünzen vor die Katzen

豚に真珠
Buta ni shinju
(To cast/throw) pearls before swine.
Perlen vor die Säue (werfen).

猫に小判
Neko ni koban
(To cast/throw) gold coins/money to a cat.
Goldmünzen vor eine Katze(n) (werfen).

Anmerkung
Die sprichwörtliche Redensart „Perlen vor die Säue (werfen)“, auf Japanisch wörtlich „Buta ni shinju“, kann man heutigen Muttersprachlerinnen und Muttersprachlern gegenüber bedenkenlos benutzen, ohne mißverstabdeb zu werden. Es gibt darüber hinaus noch die ältere sinnverwandte Redensart „Goldmünzen vor die Katzen (werfen)“ beziehungsweise „Neko ni koban“ 「猫に小判」, die auf der 20. von 48 Karten des traditionellen Iroha-Kartenspiels von Kyoto (Kyoto Iroha Karuta) steht.

Der Koban 小判 war eine Goldmünze mit einem Nennwert von 1 Ryō 両 [monetäre Standardeinheit während der Edo-Zeit (1603–1868), der japanischen Frühmoderne]. Er war eine historische Gewichtseinheit für Silber und Gold und wurde auch als Münzeinheit verwendet. Die früheste Koban-Münze, die japanweit und in größeren Mengen zirkulierte, war der Keichō Koban 慶長小判. Keichō ist eine Ära-Bezeichnung (nengō 年号): 27.10.1596–13.07.1615. Ursprünglich bestand der Koban zu etwa 84,29% aus Gold. Er wurde neunmal wieder eingesammelt und mit einem geringeren Goldanteil in größerem Umfang neu emittiert, was zu seiner schleichenden Entwertung führte.

Ōban 大判 waren Goldmünzen von der Muromachi-Zeit (1333–1568) bis zur Edo-Zeit (1603–1868), wurden vor dem 17. Jahrhundert jedoch nur sporadisch ausgegeben. Ōban waren elliptisch, zwischen 10 und 15 Zentimetern groß (4 bis 6 „In“) und hatten ein Gewicht von 44 Momme 匁・文目 [165 Gramm oder 6 Unzen; 1 Momme 匁・文目 = 1 Tausendstel Kan 貫 = 3,75 Gramm]. 1 Ōban besaß einen Nennwert von 10 Ryō 両. Während der Edo-Zeit entsprach ein Koban einem Sechzigstel Ryō.

Japans hyperalte Bevölkerung

Japan entwickelt sich technisch-wissenschaftlich-industriell gerade von der dritten zur vierten industriellen Revolution weiter, befindet sich demographisch oder bevölkerungsgeschichtlich in einem Transformationsprozeß vom zweiten zum dritten demographischen Übergang und besitzt aktuell die älteste Bevölkerung(sstruktur) der Welt. Wenn man sich die Dynamik anschaut, mit der sich Japan in wenigen Jahrzehnten von einer „alternden Gesellschaft“ (jp. kōreika shakai 高齢化社会, 7% Bevölkerungsanteil über 64 Jahren) im Jahr 1970 über eine „alte Gesellschaft“ (jp. kōrei shakai 高齢社会, 14% Bevölkerungsanteil über 64 Jahren) im Jahr 1994 zu einer „hyperalten Gesellschaft“ (21% Bevölkerungsanteil über 64 Jahren) im Jahr 2005 entwickelt hat, kommt man zu dem Schluß, daß es weltweit kein anderes historisches Beispiel dafür gibt; Japan besitzt Anfang 2017 im weltweiten Vergleich mit über 27% den höchsten Bevölkerungsanteil über 64 Jahren und mit unter 13% den niedrigsten Bevölkerungsanteil unter 15 Jahren, hinsichtlich Überalterung und Unterjüngung mithin die älteste Bevölkerung der Erde. Als der Anteil der Menschen über 64 Jahre 21% überstieg, prägte man in Japan dafür den Begriff der „hyperalten Gesellschaft“ (jp. chōkōreika shakai 超高齢化社会).

MK-Japan-Blog

Hier werden in loser Folge Nachrichten und Kommentare zu Wirtschaft, Wissenschaft, Technik, Politik, Gesellschaft, Geschichte und Kultur Japans vorgestellt. Darüber hinaus kommen Sprichwörter, Redensarten und mehr oder weniger bekannte Aussprüche zur Veröffentlichung.