Die Zeit heilt alle Wunden, aber…

「時間は偉大な治療師であろうが、美容師としては最低である。」(マーク・トウェイン、1835年~1910年)
Jikan wa idai na chiryōshi de arō ga, biyōshi toshite wa saitei de aru
“Time may be a great healer, but it’s a lousy beautician.”
„Die Zeit mag Wunden heilen, aber sie ist eine miserable Kosmetikerin.“ (Mark Twain, 1835–1910)

Die Zeit heilt alle Wunden. [1]

「時間は偉大な治療師である」
Jikan wa idai na chiryōshi de aru
Dies levat luctum.
Zeit lindert den Schmerz.
Zeit verscheucht den Kummer.
Die Zeit heilt alle Wunden.

「時間は偉大な治療師である」
Jikan wa idai na chiryōshi de aru
Time will heal.
Time will end all sorrow.
Time heals all wounds.
Time is a great healer.

Unterwasserroboter untersucht Sicherheitsbehälter von Reaktor Nr. 3 des F1-KKW von TEPCO

Die Tokyo Electric Power Company Holdings, Inc. (TEPCO, jp. Tōkyō Denryoku) hat angekündigt, eine Untersuchung des Reaktorsicherheitsbehälters in Kernreaktor 3 des Fukushima-Daiichi-Kernkraftwerkes (F1-KKW) ab dem 19. Juli 2017 mit Hilfe eines über Kabel ferngesteuerten Unterwasserroboters durchzuführen, um die Lage und den Zustand des geschmolzenen Kernbrennstoffes festzustellen. Ähnliche Untersuchungen wurden bereits in den F1-Kernreaktoren Nr. 1 und 2 durchgeführt.

Während eines dreitägigen Einsatzes soll der Unterwasserroboter in den Primärsicherheitsbehälter eindringen und Kamerabilder möglichst auch aus der Vogelperspektive liefern. Später soll er sechs bis sieben Meter vordringen und Bilder unter dem Reaktordruckbehälter machen. Auf der Grundlage der am zweiten Tag erhaltenen Fotos wird über den Einsatz des dritten Tages entschieden werden. Im Primärsicherheitsbehälter des F1-Kernreaktors Nr. 3 steht das Wasser aktuell etwa 6,4 Meter hoch.

Die Bemühungen, mit Hilfe einer 1,5 Kilometer langen und 5 bis 6 Meter dicken Eiswand [engl. frozen-soil shielding wall; jp. tōdo shasuiheki 凍土遮水壁] zu verhindern, dass seit der Dreifachkatastrophe vom 11. März 2011 (Erdbeben, Riesenflutwelle, Kernschmelzen) weiterhin täglich rund 300 bis 400 Tonnen Grundwasser in und durch die havarierten Kernreaktorgebäude fließen und es dadurch radioaktiv verstrahlt wird, sind bislang noch nicht von Erfolg gekrönt. Vollzug kann frühestens dann gemeldet werden, wenn die an 360 Stellen um die Kernreaktoren Nr. 1 bis 4 des F1-KKW installierten Glasfaserthermometer sowohl Richtung Meer als auch Richtung Land eine Temperatur unter 0 Grad Celsius messen.

In der Nacht sind alle Katzen grau.

夜目遠目笠の内
Yome tōme kasa no uchi
Bei Nacht, aus der Ferne, mit Hut.
Im Dunkeln, aus der Distanz betrachtet und mit Hut sehen Frauen [und Männer] attraktiver aus.
In der Nacht sind alle Katzen grau.

夜目遠目笠の内
Yome tōme kasa no uchi
In the dark, at a distance, wearing a hat.
Choose neither a woman [nor a man] nor linen by candlelight.
All colors will agree in the dark.
All cats are grey by night.

Anmerkung
Dieses Sprichwort steht auf der 15. von 48 Karten des traditionellen Iroha-Kartenspiels von Kyōto (Kyōto Iroha Karuta) und Kamigata (Kamigata Iroha Karuta). Der geographische Begriff Kamigata bezeichnet i.e.S. Kyōto und Ōsaka, i.w.S. darüber hinaus auch die fünf anderen Präfekturen der Kinki-Region namens Hyōgo, Nara, Mie, Shiga und Wakayama. Während der Zeit des Tokugawa-Shogunates (1603–1868) bezeichnete Kamigata die fünf Provinzen Yamato (Präfektur Nara), Yamashiro (Süden der heutigen Präfektur Kyōto), Settsu (Teile der heutigen Präfekturen Ōsaka und Hyōgo), Kawachi (Osten der heutigen Präfektur Ōsaka) und Izumi (Süden der heutigen Präfektur Ōsaka).

Scheitern ist der Schlüssel zum Erfolg. [1]

失敗は成功の基
Shippai wa seikō no moto
Niederlagen sind die Grundlage für Erfolg.
Niederlagen sind die Pfeiler des Erfolgs.
Scheitern ist die Vorstufe des Erfolgs.
Lerne aus deinen Fehlern.
Scheitern ist der Schlüssel zum Erfolg.

失敗は成功の基
Shippai wa seikō no moto
Failure is the foundation of success.
Failure is a stepping stone to success.
Failure teaches success.
Learn from your mistakes.
Failure is the key to success.

IHI und NEDO kündigen Fertigstellung einer Demonstrationsanlage für ein Meeresströmungskraftwerk in Südwestjapan an

Die staatliche Entwicklungsorganisation für Neue Energien und Industrietechnik (New Energy and Industrial Technology Development Organization, NEDO) fördert unter der Ägide des japanischen Wirtschaftsministeriums seit 2011 verstärkt die Erforschung zur Nutzung potentieller Energiequellen des Meeres. Als vorläufiges Resultat eines mehrjährigen Demonstrationsforschungsprojektes soll Ende August 2017 in der Nähe der südwestjapanischen Insel Kuchinoshima (Präfektur Kagoshima) ein etwa 100 Meter unter der Wasseroberfläche schwebendes Meeresströmungsturbinensystem [underwater floating type ocean current turbine system, jp. suichū fuyūshiki kairyū hatsuden shisutemu hyaku kirowattokyū jisshōki ‚kairyū‘ 水中浮遊式海流発電システムの100kW級実証機「かいりゅう」] mit einer Leistung von 100 Kilowatt den Probebetrieb aufnehmen. Das Meer bei Kuchinoshima wurde ausgewählt, weil die Fließgeschwindigkeit und -richtung des Kuroshio-Stroms südlich von Kyushu um die Tokara-Inseln verhältnismäßig stabil sind und die Strömungsfluktuation gering ist.

Hauptvertragsnehmer des japanischen Forschungs- und Entwicklungskonsortiums und zugleich Entwickler der Turbine und der schwimmenden Struktur ist der Schwermaschinenbauer IHI Corporation. Untervertragsnehmer und Lieferant des Generators und des Transformators ist die Toshiba Corporation. Weitere Beteiligte sind die Graduiertenschule für Pionierwissenschaften der Universität Tokyo [Graduate School of Frontier Sciences of the University of Tokyo, jp. Tōkyō Daigaku Daigakuin Shinryōiki Sōsei Kagaku Kenkyūka] und das Mitsui Global Strategic Studies Institute [MGSSI, jp. Mitsui Bussan Senryaku Kenkyūjo].

Es geht bei diesem Forschungsprojekt nicht nur darum, die technische Machbarkeit und die Leistungsfähigkeit eines neuen Meeresströmungskraftwerkes nachzuweisen und Betriebserfahrungen zu sammeln, sondern auch um den Nachweis der Wirtschaftlichkeit. Die Elektrizitätskostenvorgabe der NEDO war bei der Ausschreibung ein Gestehungspreis von 20 Yen je Kilowattstunde. Das Meeresströmungsturbinensystem besteht im Kern aus zwei gegenläufigen Unterwasserturbinen, soll an Metallseilen im Meeresboden verankert sein und könnte auch in Tiefenwasser zur Stromerzeugung genutzt werden. Es ist zur Errichtung großflächiger Unterwasser-Energieparks geeignet. Als nachhaltige, umweltfreundliche und erneuerbare Energiequelle könnten Unterwasser-Lenkdrachen, die kinetische Energie der Meeresströmung in elektrische Energie umwandeln, helfen, die zahlreichen dünn besiedelten, kleineren Inseln des japanischen Archipels mit Strom zu versorgen und den Import fossiler Brennstoffe und die Emission von Kohlendioxid zu senken.

Die Meeresströmungsturbinenanlage ist relativ kompakt und besitzt eine Länge von etwa 20 m und eine Breite von ebenfalls 20 m. Der Durchmesser der Turbinenschaufeln beträgt rund 11 m. Die Gesamtkosten für die Demonstrationsanlage belaufen sich auf rund 4 Milliarden Yen. Man geht von einem Kapazitätsfaktor von 60–70 Prozent aus. Auf der Grundlage der Betriebserfahrungen und weiterer Forschungsanstrengungen soll in den 2020er Jahren ein Meeresströmungskraftwerk mit einer Leistung von 2000 Kilowatt und Turbinenschaufeln mit einem Durchmesser von 40 m gebaut werden.

Quellen: Nikkan Kogyo Shimbun 日刊工業新聞, 10. Juli 2017. Pressemitteilungen von New Energy and Industrial Technology Development Organization [NEDO, Shin Enerugī Sangyō Gijutsu Sōgō Kaihatsu Kikō 新エネルギー・産業技術総合開発機構] und IHI Corporation [Ishikawajima Heavy Industries, 株式会社IHI; bis Mitte 2007 bekannt als Ishikawajima-Harima Heavy Industries Co., Ltd., jp. Ishikawajima Harima Jūkōgyō Kabushiki Kaisha 石川島播磨重工業株式会社].

Vom Regen in die Traufe kommen [1]

前門の虎、後門の狼
Zenmon no tora, kōmon no ōkami
Ein Tiger an der Eingangspforte, ein Wolf am Hinterausgang.
Zwischen Hammer und Amboß.
Zwischen Skylla und Charybdis sein.
Vom Regen in die Traufe kommen.

前門の虎、後門の狼
Zenmon no tora, kōmon no ōkami
A tiger at the front gate, a wolf at the back gate.
Between the hammer and the anvil.
To be between Scylla and Charybdis.
To jump out of the frying pan into the fire.

Morgen weht der Wind von Morgen.

明日は明日の風が吹く
Ashita wa ashita no kaze ga fuku
Morgen weht der Wind von Morgen.
„Et kütt wie et kütt.“
[Artikel 2 des Rheinischen Grundgesetzes]
Sorge Dich nicht um morgen.
Es geht immer weiter.
Lebe in der Gegenwart.

明日は明日の風が吹く
Ashita wa ashita no kaze ga fuku
Tomorrow blows tomorrow’s wind.
Let the morn come and the meat with it.

10 Gramm versus 47 Tonnen Plutonium

Die USA und Japan schlossen 13 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1958 erstmals ein Kooperationsabkommen auf dem Gebiet der Kernenergie, worin sich der Abnehmer verpflichtete, die gekauften Stoffe – ein großer Fortschritt für Japan, denn davor wurden Radionuklide auf der Grundlage eines sogenannten „Standardabkommens“ nur „gepachtet“ – ausschließlich für zivile Forschungszwecke zu benutzen. Außerdem durften die Stoffmengen des Nuklearabkommens je Transfer „100 g Uran 235, 10 g Plutonium und 10 g Uran 233“ (§ 5) nicht übersteigen. Der Kontrast könnte fast 60 Jahre später kaum größer sein. Wie sehr sich Japan als Musterschüler und eines der 70 Gründungsmitglieder der Internationalen Atomenergieorganisation (International Atomic Energy Agency, IAEA) vom amerikanischen Kontrollregime emanzipiert hat – dass der IAEA-Generaldirektor seit 2009 ein japanischer Diplomat und Abrüstungsexperte namens Yukiya Amano ist, ist Zufall –, wird unter anderem dadurch ersichtlich, dass Japan heute Eigentümer von rund 47 Tonnen Plutonium ist. Davon bevorratet Nippon rund 10 Tonnen auf seinem eigenen Hoheitsgebiet und rund 37 Tonnen in Frankreich und im Vereinigten Königreich.

Seit dem 5. Juli 2017 sind bis voraussichtlich September zwei Spezialschiffe unterwegs auf dem Weg aus dem nordfranzösischen Hafen Cherbourg in die japanische Präfektur Fukui, wo der Druckwasserreaktor Takahama 4 mit Uran-Plutonium-Mischoxidbrennstoff (MOX) beladen werden soll. Nukleare Optimisten sagen, dass überschüssiges waffenfähiges Plutonium, das sonst Nuklearmüll wäre und gestohlen werden könnte, auf diese Weise zur Stromerzeugung genutzt werden könne. Nukleare Pessimisten halten dagegen und befürchten, dass genau das Gegenteil eintreten würde, nämlich dass sich das Risiko nuklearer Proliferation gerade durch die globale kommerzielle Nutzung von Mischoxidbrennstoff und die Ausweitung der Wiederaufarbeitung eher erhöhen könne. Außerdem reagiere eine Mischung aus 7% Plutonium und 93% Uran zwar ähnlich, aber nicht identisch wie niedrigangereicherter Uranbrennstoff. Das Plutonium-Uran-Gemisch sei energiereicher als normaler Kernbrennstoff, setze bei einem Unfall aber auch mehr radioaktive Stoffe frei und verlange wegen der großen Hitzeentfaltung mehr Kühlwasser.

Die beiden MOX-Transporter auf den bewaffneten Spezialschiffen Pacific Heron und Pacific Egret von Pacific Nuclear Transport Ltd. (PNTL), ein Tochterunternehmen des britischen Unternehmens International Nuclear Services (INS), enthalten unter anderem etwa 736 Kilogramm Plutonium aus der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague. Nukleare Pessimisten gehen davon aus, dass 5 Kilogramm Plutonium für eine Atombombe hinreichend wäre, rein rechnerisch wären das 147,2 Atombomben. Von den aktuell in Betrieb befindlichen fünf Kernreaktoren können drei Mischoxidbrennstoff nutzen. Sollte die Wiederaufarbeitungsanlage in Rokkashomura im Norden der Hauptinsel Honshū nach langjährigen Verzögerungen im Jahr 2018 in Betrieb gehen, wären davon potentiell bis zu 18 japanische Kernreaktoren betroffen.

Der aktuelle Transport von Mischoxidbrennelementen von Europa nach Japan ist der sechste seit 1999 und der zweite seit der Dreifachkatastrophe vom 11. März 2011 (Erdbeben, Riesenflutwelle, Kernschmelzen). Nukleare Optimisten sagen: „Die beiden Spezialschiffe sind bewaffnet und ihre Rumpfkonfiguration besitzt eine Doppelhülle.“ Nukleare Pessimisten in Japan sagen: „Was bereits zweimal passiert ist, wird auch ein drittes Mal passieren.“ [Nido aru koto wa sando aru  「二度あることは三度ある」 ].