Heute rot, morgen tot.

朝には紅顔ありて夕べには白骨となる
Ashita ni wa kōgan arite yūbe ni wa hakkotsu to naru
Am Morgen ein rosiges Gesicht, am Abend weiße Knochen.
Niemand weiß, wann und wie er/sie selbst sterben wird.
Heute rot, morgen tot.

朝に紅顔あって夕べに白骨となる
Ashita ni kōgan atte yūbe ni hakkotsu to naru
A rosy face in the morning, white bones in the evening.
Today red, tomorrow dead.

Anmerkung
Das japanische Original hat nichts mit antikommunistischen Parolen des 20. Jahrhunderts zu tun, sondern stammt von einem renommierten spätmittelalterlichen Vertreter des Nichiren-Buddhismus zur Muromachi-Zeit (1392–1573). Der buddhistische Meister Rennyo 蓮如 beziehungsweise Rennyo Shōnin 蓮如上人 (1415–1499) erinnert mit diesem Satz in seinem Brief [„Hakkotsu no Ofumi/Gobunshō“ 「白骨の御文(章)」] als 8. Erzabt der Wahren Schule des Reinen Landes [Jōdo Shinshū 浄土真宗] an die Vergänglichkeit und die Unsicherheiten des menschlichen Lebens und Sterbens. Er ruft dazu auf, an Amitābha, den Buddha des Reinen Landes [jp. Amida Nyorai 阿弥陀如来], zu glauben und empfiehlt, Buddhas Namen zu rezitieren. Im Kern ist der Satz als Aufruf zur rechten – buddhistischen – Lebensweise zu verstehen.

Über der englischen Übersetzung steht eine ebenfalls verbreitete Fassung in der modernen japanischen Gegenwartssprache. Der Original-Brief mit Kanji und Katakana lautet: 「朝ニハ紅顔アリテ夕ニハ白骨トナレル」. Die moderne Kana-Orthographie mit Kanji und Hiragana lautet: 「朝には紅顔ありて夕には白骨となれる」. Die säkulare Variante „Heute rot, morgen tot.“ ist eine mögliche, aber nur grobe semantische Annäherung.

Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. [1]

「見ぬ事清し」
Minu koto kiyoshi
Was man nicht sieht, ist sauber.
Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.

「見ぬ物清し」
Minu mono kiyoshi
What one does not see is clean.
What the eye doesn’t see the heart doesn’t grieve over.

Anmerkung
Die Begriffe mono 物 und koto 事 beziehungsweise monogoto 物事 umfassen alle konkreten und abstrakten Dinge und Angelegenheiten. Deshalb wird anstelle von Minu koto kiyoshi  「見ぬ事清し」 auch Minu mono kiyoshi  「見ぬ物清し」 benutzt.

Mit Druckwasserreaktor Takahama 3 wieder fünf Kernreaktoren im kommerziellen Betrieb in Japan

Am 4. Juli 2017 nahm der Kernreaktor Takahama 3 (870 MWe = Megawatt elektrisch, erste Inbetriebnahme Januar 1985) von Kansai Electric Power Co., Inc. (Kansai Denryoku) den kommerziellen Betrieb wieder auf. Dieser Druckwasserreaktor (DWR) war am 6. Mai wieder angelaufen, wurde am darauffolgenden Tag kritisch und nahm die Stromerzeugung am 9. Juni wieder auf. Der Kernreaktor Takahama 4 (870 MWe, Inbetriebnahme Juni 1985), der wie die Reaktoreinheit 3 seit März 2016 durch eine gerichtliche einstweilige Verfügung im Offline-Modus gehalten worden war, wurde am 17. Mai neu angefahren, begann mit der Stromnetzeinspeisung am 22. Mai und nahm am 16. Juni den kommerziellen Stromerzeugungsbetrieb vollumfänglich wieder auf. Zusammen mit den DWR Sendai 1 und 2 (jeweils 890 MWe) von Kyushu Electric Power Co., Inc. (Kyūshū Denryoku) und Ikata 3 (890 MWe) von Shikoku Electric Power Co., Inc. (Shikoku Denryoku) sind das insgesamt fünf Druckwasserreaktoren, die den Stromerzeugungsbetrieb nach der Dreifachkatastrophe vom 11. März 2011 (Erdbeben, Riesenflutwelle, Kernschmelzen) wieder aufgenommen haben. Die von niederen Gerichten erlassenen einstweiligen Verfügungen gegen die Wiederinbetriebnahme von Kernreaktoren wurden von der höheren Gerichtsbarkeit in Japan wieder einkassiert.

Notwendig falsches Bewußtsein

「人間の意識がその存在を規定するのではなくて、逆に、人間の社会的存在がその意識を規定するのである。」
Ningen no ishiki ga sono sonzai o kitei suru no de wa nakute, gyaku ni, ningen no shakaiteki sonzai ga sono ishiki o kitei suru no de aru.
“It is not the consciousness of men that determines their being, but, on the contrary, their social being that determines their consciousness.”
„Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt.“

Quelle: Karl Marx (1818–1883) im Vorwort von „Zur Kritik der Politischen Ökonomie“ (1859) [A Contribution to the Critique of Political Economy]. In: Marx-Engels-Werke, Bd. 13, S. 9.

Wer zwei Hasen jagt, fängt keinen. [2]

虻蜂取らず
Abu hachi torazu
Weder Bremse noch Wespe fangen.
Wer zweierlei zugleich will, bekommt nichts.
Wer zu viel will, bekommt gar nichts.
Wer zwei Hasen jagt, fängt keinen.

虻蜂取らず
Abu hachi torazu
To catch neither horsefly nor wasp.
Between two stools one falls to the ground.
He that hunts two hares loses both.
If you run after two hares, you will catch neither.

Diplomatie

「外交とは最も汚いことを、最も美しく行ってみせたり言ったりすることだ。」(アイザック・ゴールドバーグ、1887年~1938年)
Gaikō to wa mottomo kitanai koto o, mottomo utsukushiku okonatte misetari ittari suru koto da.
“Diplomacy is to do and say the nastiest things in the nicest way.”
„Diplomatie heißt, die häßlichsten Dinge auf netteste Art zu tun und zu sagen.“ (Isaac Goldberg, 1887–1938)

Japanische Atomaufsichtsbehörde genehmigt Stilllegungsplan für Ikata 1

Die japanische Atomaufsichtsbehörde NRA (Nuclear Regulation Authority, jp. Genshiryoku Kisei Iinkai) hat am 28. Juni 2017 den Plan des Energieversorgers Shikoku Electric Power Co., Inc. (Shikoku Denryoku) zur Stilllegung seines ältesten von drei Druckwasserreaktoren namens Ikata 1 (DWR, 566 MWe = Megawatt elektrisch) in Ikata-cho (rd. 9.000 Einwohner) in der Präfektur Ehime auf der Halbinsel Sadamisaki im Südwesten der Insel Shikoku genehmigt.

Nach den Reaktoren Mihama 1 (DWR, 340 MWe) und 2 (DWR, 500 MWe, Präfektur Fukui) von Kansai Electric Power Co., Inc. (Kansai Denryoku), Tsuruga 1 (SWR, 357 MWe, Präfektur Fukui) von The Japan Atomic Power Company (JAPC, jp. Nihon Genshiryoku Hatsuden), Shimane 1 (SWR = Siedewasserreaktor, 460 MWe, Präfektur Shimane) von Chugoku Electric Power Co., Inc. (Chūgoku Denryoku) und Genkai 1 (DWR, 559 MWe, Präfektur Saga) von Kyushu Electric Power Co., Inc. (Kyūshū Denryoku) ist Ikata 1 der sechste Stilllegungsplan, den die NRA seit dem Inkrafttreten strengerer Atomsicherheitsbestimmungen im Jahr 2012 als Folge der Dreifachkatastrophe vom 11. März 2011 (Erdbeben, Riesenflutwelle, Kernschmelzen) genehmigt hat.

Der Vorstand von Shikoku Denryoku hatte bereits im März 2016 entschieden, dass sich eine Investition von rund 170 Milliarden Yen zur Erfüllung der seit dem Nuklearunfall im Fukushima Daiichi-Kernkraftwerk von Tokyo Electric Power Company Holdings, Inc. (Tōkyō Denryoku) komplexeren Sicherheitsauflagen nicht rechnen würde und eine Laufzeitverlängerung über die 40-Jahre-Regel hinaus deshalb nicht in Betracht käme. Ikata 1 war im Jahr 1977 nach einer Bauzeit von vier Jahren und drei Monaten in Betrieb gegangen und hat nach Angaben des Betreibers bis zu Inspektionen und Streßtests seit September 2011 insgesamt 126,8 Terawattstunden Strom produziert. Die benutzten Kernbrennelemente von Ikata 1 müssen viele Jahre rund um die Uhr in einem Abklingbecken des jüngsten Kernreaktors Ikata 3 (DWR, 890 MWe, Inbetriebnahme 1994) von Shikoku Denryoku gekühlt werden.

Bei der Stilllegung fallen mehr als 3.000 Tonnen niedrigradioaktiver Atommüll an. Rund 40.000 Tonnen sollen als nichtradioaktiver Industriemüll klassifiziert und behandelt werden. Eine offizielle Endlagerstätte für hochradioaktiven Atommüll gibt es in Japan mehr als 63 Jahre nach der Verabschiedung des ersten Nuklearbudgets vom 3./4. März 1954 als Nachtragshaushalt und Kompromiß von drei konservativen Regierungsparteien des 5. und letzten Kabinetts von Premierminister Shigeru Yoshida noch nicht.

Das hat – nach dem Fukushima Daiichi-Nuklearunfall – dazu geführt, dass der frühere Vorsitzende der stärksten Regierungspartei (Liberaldemokratische Partei, jp. Jiyū Minshutō) und konservative Ex-Premierminister Jun’ichirō Koizumi (Amtszeit 2001–2006) nach einer Informationsreise in Deutschland und Finnland im August 2013 gegenüber japanischen Journalisten nach seiner Rückkehr aus voller Überzeugung den folgenden Satz fallen ließ: „Kernkraftwerke sind wie Häuser ohne Toilette.“ [Genpatsu wa toire naki manshon]. Von diesem Standpunkt ist der aktuelle liberaldemokratische Premierminister Shinzō Abe (Amtszeit 26.09.2006–26.09.2007, 26.12.2012–) mindestens soweit entfernt wie Koizumi zu seiner Zeit als amtierender Premierminister.

Fernsehen bildet

「テレビは非常に教育的なものだと思う。誰かがテレビをつけると私はいつも別の部屋に行って本を読むからだ。」(グルーチョ・マルクス、1895年~1977年)
Terebi wa hijō ni kyōikuteki na mono da to omou. Dare ka ga terebi o tsukeru to watashi wa itsumo betsu no heya ni itte hon o yomu kara da.
“I find television very educating. Every time somebody turns on the set, I go into the other room and read a book.”
„Ich denke, Fernsehen bildet. Jedes Mal, wenn jemand den Fernseher einschaltet, gehe ich nach nebenan und lese.“ (Groucho Marx, 1890–1977)

Erfinder der Trockenbatterie: Sakizō Yai

Außerhalb Japans ist wenig bekannt, daß der Erfinder der weltweit ersten Trockenbatterie [engl. dry battery, jp. kandenchi 乾電池] nicht der Deutsche Carl Gassner (1855–1942) und auch nicht der Däne Wilhelm Hellesen (1836–1892), sondern der japanische Autodidakt und Erfinder Sakizō Yai 屋井先蔵 (1864–1927) war, weil er wegen Geldarmut die Gebühren für die Patentanmeldung nicht bezahlen konnte und ihm das Know-how fehlte, wie man sie eventuell hätte vermeiden können.

Yai wurde gegen Ende der Edo-Zeit (1603–1868), der japanischen Frühmoderne, in Nagaoka in der Präfektur Niigata (damals Provinz Echigo) am Japanischen Meer (Nihonkai) als Sohn eines niederrangigen Samurai mit einem jährlichen Reiseinkommen von 300 Koku (1 Koku = ca. 180 Liter) geboren. Sein wichtigstes väterliches Erbe für seine späteren Erfindungen war möglicherweise wissenschaftliche Neugierde und eiserne Disziplin. Er war sechs Jahre alt, als sein Vater verstarb und wurde von seinem Onkel adoptiert. Mit 13 Jahren begann er eine Lehre in einer Uhrenwerkstatt, konnte seine Lehrzeit zunächst wegen Krankheit jedoch nicht vollenden und mußte deshalb in seinen Heimatort zurückkehren.

Nach später vollendeter Lehrvertragszeit legte er zweimal erfolglos die Aufnahmeprüfung ab für die 1881 gegründete Gewerbliche Schule Tokyo [Tōkyō Shokkō Gakkō 東京職工学校, später Tōkyō Kōtō Kōgyō Gakkō 東京高等工業学校, Nachfolgeorganisation war das Tokyo Institute of Technology (Tōkyō Kōgyō Daigaku 東京工業大学)]. Aus formalen Gründen wie Alterbegrenzungsvorschriften mußte er die Verfolgung seines Wunsches, an einer Höheren Technischen Schule zu studieren, aufgeben. In den folgenden drei Jahren forschte er ohne Stipendium und ohne Mäzen auf eigene Rechnung und eigenes Risiko an ständig in Bewegung bleibenden Geräten [jp. eikyū jidōki 永久自動機] und interessierte sich vornehmlich für Phänomene mit ruhender oder bewegter elektrischer Ladung.

Im Alter von 23 Jahren erfand Yai eine konstante elektrische Uhr [engl. continuous electric clock, jp. renzoku denki dokei 連続電気時計]. Seine Patentanmeldung Nr. 1205 war 1891 die erste in Japan zum Bereich der Elektrizität. In der Uhr war ein Daniell-Element aus einer Zink- und einer Kupfer-Halbzelle verbaut. Im Winter fror die Flüssigkeit der Naßzelle bei Minustemperaturen ein und machte die Uhr störungsanfällig. Yai machte sich daran, dieses Problem zu lösen und setzte sich das Ziel, eine Trockenbatterie zu entwickeln. Yai ging am Tage als Arbeiter dem Gelderwerb nach, arbeitete nachts als Erfinder und gönnte sich über Jahre hinweg nur drei, vier Stunden Schlaf pro Tag.

Er hatte das Glück, Assistent in einem Labor der privaten Tokyoter Akademie für Physik [The Tokyo Academy of Physics, später Science University of Tokyo, jp. Tōkyō Butsuri Gakkō 東京物理学校] zu werden, die 1881 von ein bis zwei Dutzend Physik-Absolventen der staatlichen Kaiserlichen Universität zu Tokyo [Tōkyō Teikoku Daigaku 東京帝国大学, heute The University of Tokyo, Tōkyō Daigaku 東京大学] gegründet worden war. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Science University of Tokyo im Jahr 1949 in Kagurazaka im Tokyoter Stadtbezirk Shinjuku in Tokyo University of Science [Tōkyō Rika Daigaku 東京理科大学] umbenannt und reorganisiert und existiert bis heute unter dieser Bezeichnung.

Yai war ein Pionier für die Kooperation zwischen Industrie und Forschung [sangaku kyōdō 産学協同] und tauschte sich oft mit Wissenschaftlern seines Labors aus, um Probleme bei der Entwicklung der Trockenbatterie zu diskutieren. So liefen häufig Chemikalien aus dem Pluspol, und unedle Metalle korrodierten und wurden unbrauchbar. Yai versuchte einen Graphitstab mit Paraffin zu imprägnieren und experimentierte so lange, bis er erfolgreich war. Es war jedoch nicht Yai, sondern Ichizaburō Takahashi 高橋市三郎, der die Trockenbatterie in Japan als Patent anmeldete (Patent Nr. 2086).

Außer Yai haben der oben erwähnte deutsche Arzt und Erfinder Gassner und der dänische Erfinder und Industrielle Hellesen unabhängig voneinander ebenfalls eine Trockenbatterie entwickelt und jeweils in ihrem Land als Patent angemeldet. Beide benutzten 1885/86 nasse Leclanché-Zellen für die Entwicklung ihrer jeweiligen Trockenbatterie. Gassner experimentierte bei einem Uhrmacher und benutzte in Türklingeln Gips als poröses Bindemittel für die Leclanché-Zellen, die oft austrockneten, und fügte wasseranziehende Chemikalien hinzu. Ein weiteres Anwendungsgebiet für die Trockenbatterie wurde die Telegrafie. Gassner meldete seine Trockenbatterie 1886 als Patent Nr. 37758 in Deutschland an, später auch in Österreich-Ungarn, Belgien, Frankreich und England. Er erwarb 1887 in den USA ein Patent für seine Erfindung unter der Nr. 373064 und errichtete in Frankfurt am Main eine Batteriefabrik. Er wurde innerhalb kurzer Zeit wohlhabend, weil seine Trockenbatterien zum Beispiel reichsweit in Türklingeln zur Anwendung kamen.

Yai hatte anfangs für seine Trockenbatterie noch keine Anwendung, in denen er sie gewinnbringend hätte veräußern können. Im Jahr 1891 heiratete er. Die Yai-Trockenbatterie wurde schließlich für die Weltausstellung in Chicago (01.05.–30.10.1893) in einem Seismographen der Kaiserlichen Universität zu Tokyo verbaut. Nach dem Ende der Weltausstellung bemühte sich das United States National Museum (später: Smithsonian Institution) erfolgreich um das japanische Exponat.

Im ersten Chinesisch-Japanischen Krieg (1894–1895) wurde Yais Trockenbatterie in der Mandschurei vom japanischen Militär eingesetzt und in einem japanischen Extrablatt in den höchsten Tönen gelobt [Manshū de no shōri wa hitoe ni kandenchi ni yoru mono 「満州での勝利はひとえに乾電池によるもの」]. Die Journalisten behandelten das Thema am nächsten Tag erneut und stellten den Namen des japanischen Erfinders in den Mittelpunkt ihrer Kriegsberichterstattung. So wurde Yai landesweit bekannt.

Er gründete 1910 die Yai-Trockenbatterie-Kommanditgesellschaft [Gōshi Gaisha Yai Kandenchi 合資会社屋井乾電池] und wählte als Standort für den Vertrieb Nishiki im Tokyoter Stadtbezirk Kanda. Die Produktion wurde im Tokyoter Stadtbezirk Asakusa (später Taitō) in Kamiyoshi-chō aufgebaut. Yais Batteriefabrik entwickelte sich mit einem Output von 200.000 Stück pro Jahr bis 1921 zur größten des Landes, weshalb er auch als „Trockenbatterie-König“ [kandenchi-ō 乾電池王] apostrophiert wurde.

Am 1. September 1923 machte um 11:58 Uhr das Große Kantō-Erdbeben [Kantō Daishinsai 関東大震災] seine Batteriefabrik mit einer Oberflächenwellen-Magnitude von 7,9 dem Erdboden gleich. Die Fabrik wurde in Kawasaki zwischen Tōkyō und Yokohama wieder aufgebaut. Yais Trockenbatterien verkauften sich nicht nur innerhalb Japans gut, sondern wurden auch exportiert. Eine unglückliche Koinzidenz aus Magenkrebs und akuter Lungenentzündung überlebte der chronisch überarbeitete 63-jährige Yai nicht. Ohne eigenen Nachfolger wurde sein Erbe nach einigen Jahren von der Konkurrenz übernommen. Im Jahr 1950 verschwand schließlich auch sein Name aus dem Verzeichnis japanischer Unternehmen.

Quelle: Denchi Kōgyōkai 電池工業会 [Battery Association of Japan].

Daichi Kamada aus der japanischen J1 League verstärkt Eintracht Frankfurt

Dem 20-jährigen zentralen Mittelfeldspieler Daichi Kamada [鎌田大地, geboren 05.08.1996, 180 cm, 72 kg, Rechtsfuß, Vor- und zugleich Spitzname sprich „Daitschi“] geht in Japan der Ruf voraus, das Potential und die Klasse des legendären Hidetoshi Nakata zu haben – auf Japanisch plastisch auch als „Reinkarnation von Hidetoshi Nakata“ [Nakata Hidetoshi no sairai 「中田英寿の再来」] bezeichnet –, der von 1998 bis 2005 für mehrere Vereine der italienischen Serie A gespielt hat. Fredi Bobic, Vorstand Sport von Eintracht Frankfurt, sagte am Sonntag, den 25. Juni 2017 zur bevorstehenden Verpflichtung des Spielers mit der Nr. 7 vom südwestjapanischen J1 League-Fußballklub Sagan Tosu [サガン鳥栖, gegründet 1997, aktuell 11. Platz]: „Wir sind uns mit Club und Spieler einig und hoffen, dass wir in den nächsten Tagen Vollzug melden können.“

Daichi Kamada wurde am 5. August 1996 in der Präfektur Ehime im Nordwesten der Insel Shikoku geboren. Er besuchte die städtische Grundschule Iyo und lernte das Fußballspielen bei seinem Heimatverein Kids FC. Im 6. Grundschuljahr gewann er die landesweite Fußballmeisterschaft seines Jahrgangs. Danach wechselte er zur städtischen Nord-Mittelschule von Kishiwada (Kishiwada Shiritsu Kita-Chūgakkō) und spielte für die Jugend von Gamba Osaka (gegründet 1980) in der Stadt Suita. Im Jahr 2009 wurde er in die Auswahl für den JOMO CUP und in die J1 League-Auswahl der U13 gegen Südkorea berufen.

Sein Weg nach oben war keineswegs eine gerade Linie. Wegen Verletzungspech wurde er nicht wie sein Mitspieler Ryuta Yamamoto aus gemeinsamer Zeit beim Kids FC in die Jugend des Ehime FC (gegründet 1970, seit 2005 in der J2 League) geholt. Sein Abitur machte er daher nicht in Matsuyama, der Hauptstadt der Präfektur Ehime, sondern an der Higashiyama-Oberschule in Kyoto (Higashiyama Chūgaku, Kōtō Gakkō), wo er sein Paßspiel und seine Spielintelligenz weiter verfeinerte. In seinem dritten Oberschuljahr beendete Kamadas Mannschaft die Takamado no Miya-Cup Premier League-West auf dem letzten Platz, aber im Vergleich der Mittelfeldspieler rangierte Daichi mit 10 Treffern in einer vergleichsweise schlechteren Mannschaft auf dem 4. Platz. Deshalb zeigten im November 2014 gleich fünf J League-Vereine Interesse an seiner Verpflichtung.

Sagan Tosu holte ihn zur Saison 2015 in die Stadt Tosu nach Saga, Nachbarpäfektur von Nagasaki, auf die südliche Hauptinsel Kyushu. In seinem ersten Einsatz als Profifußballer schoß er am 10. Mai 2015 auch gleich sein erstes Tor, den Ausgleichstreffer gegen den Matsumoto Yamaga Football Club. Im August 2015 wurde er zu einem Trainingslager der japanischen U22-Auswahl eingeladen. Es folgte im Mai 2016 ein Ruf zur U23-Auswahl. Als hängende Spitze konnte er seine Fähigkeiten als Paß- und Taktgeber nicht so gut zur Geltung bringen und wurde in der Folge nicht zu den Olympischen Sommerspielen von 2016 nach Rio de Janeiro eingeladen.

Am 13. Spieltag schoß er am 27. Mai 2017 gegen Hokkaido Consadole Sapporo den Siegtreffer und heiratete anschließend seine gleichaltrige Freundin standesamtlich und unpompös [nashikon ナシ婚]. Am Sonntag, den 25. Juni 2017 legte er bei seinem vorläufig letzten Spiel den Führungstreffer beim 2:1-Heimsieg gegen die Urawa Red Diamonds (auch: Urawa Reds, gegründet 1950) auf. Er wird in dieser Woche zum Medizincheck am Main erwartet. Kamada hat in der laufenden Saison in 16 Spielen drei Treffer erzielt, wettbewerbsübergreifend – mit Ligapokal beziehungsweise J. League Cup [Jei Rīgu Kappu Jリーグカップ] und Kaiserpokal [Tennōhai 天皇杯] – in 18 Spielen fünf Tore.

Makoto Hasebe [長谷部誠], ebenfalls Mittelfeldspieler, Kapitän der japanischen Nationalmannschaft und aktuell derjenige Eintracht-Spieler mit den drittmeisten Bundesliga-Einsätzen, wird Kamada helfen, den unvermeidlichen Kultur- und Sprachschock zu lindern und die Integration in eine neue Mannschaft und einen neuen Verein zu bewältigen.

Anläßlich der gestrigen Abschiedszeremonie erhielt Daichi Kamada Blumensträuße von seiner frisch vermählten Ehefrau sowie seinen Eltern und bedankte sich bei den Fans, den Mitspielern und dem Verein mit einer Rede und einer Ehrenrunde. Zu Beginn wurde auf einer Großleinwand auch eine Reihe von erinnerungswürdigen Spielszenen gezeigt, die ahnen lassen, warum die 2,5 Millionen Euro, die Eintracht Frankfurt in den Transfer des jungen Japaners investiert, nach bestem Wissen und Gewissen gut angelegt sein dürften [Best of-Fußballszenen des 30-minütigen Videos siehe vor allem 1. bis 4. Minute: https://www.youtube.com/watch?v=8jU-YlLbi_4].