Probieren geht über Studieren.

物は試し
Mono wa tameshi
Du weißt nie, was du kannst, wenn du es nicht ausprobierst.
Erfahrung macht klug.
Das Leben ist ein Versuch.
Probieren geht über Studieren.

物は試し
Mono wa tameshi
You never know what you can do till you try.
There is nothing like trying.
Let’s give it a try; we may have a chance.
The proof of the pudding is in the eating.

Für alles [Schlechte] gibt es einen [guten] Grund.

盗人の昼寝
Nusubito no hirune
Der Mittagsschlaf des Diebes.
Selbst der Mittagsschlaf eines Diebes kann sich als negativ erweisen, weil er die Vorbereitung für einen nächtlichen Raub ist.
Selbst scheinbar harmlose Dinge können einen spezifischen Grund und negativen Zweck haben.
Wenn der Fuchs schläft, so träumt ihm von Hühnern.
Für alles [Schlechte] gibt es einen [guten] Grund.

盗人の昼寝
Nusubito no hirune
A thief’s midday nap.
A thief napping in the middle of the day may seem random, but for him the nap is an important preparation for his nightly activities.
Even a seemingly purposeless activity can still have a specific reason and [negative] purpose.
A fox sleeps but counts hens in his dream.
There is a [good] reason for every [bad] thing.

Anmerkung
Dieses Sprichwort steht auf der 10. von 48 Karten des traditionellen Iroha-Kartenspiels von Edo (Edo Iroha Karuta), Osaka (Ōsaka Iroha Karuta), Kamigata (Kamigata Iroha Karuta) und Owari (Owari Iroha Karuta). Es gibt neben der obigen sprichwörtlichen Redensart den gleichen Inhalt als wohlformulierten Satz:

盗人の昼寝も当てがある。
Nusubito no hirune mo ate ga aru.
Even a thief’s midday nap has a purpose.
Selbst der Mittagsschlaf eines Diebes hat einen Zweck.

Frisch gewagt ist halb gewonnen.

始め半分
Hajime hanbun
Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen.
Frisch gewagt ist halb gewonnen.

始め半分
Hajime hanbun
Half is done when the beginning is done.
Well begun is half done.

Keine Antwort ist auch eine Antwort. [2]

「沈黙にも意味がある」
Chinmoku ni mo imi ga aru
Schweigen bedeutet Zustimmung.
Wer schweigt, stimmt zu.
Wenn Kinder still sind, haben sie etwas ausgefressen.
Qui tacet, consentire videtur. [Bonifatius]
Wer schweigt, scheint zuzustimmen.
Qui tacet consentire non videtur. [Rechtsgrundsatz]
Wer schweigt, scheint nicht zuzustimmen.
Keine Antwort ist auch eine Antwort.

「沈黙にも意味がある」
Chinmoku ni mo imi ga aru
Silence means consent.
When children stand quiet they have done some ill.
When children stand still, they have done some ill.
Qui tacet, consentire videtur. [Bonifatius)
He who is silent is understood to consent.
Qui tacet consentire non videtur. [legal principle]
He who is silent is understood not to consent.
No answer is also an answer.

Anmerkung
Der allgemeine Rechtsgrundsatz „Qui tacet consentire non videtur.“ [Wer schweigt, scheint nicht zuzustimmen.] bedeutet, dass Schweigen keine Willenserklärung darstellt und sie auch nicht ersetzen kann. Das geschriebene Recht wäre nicht das gesetzte Recht, wenn es nicht auch diverse Ausnahmen – im Handelsverkehr und im Zivilprozess etc. – kennen würde, was Bonifatius, der Missionar und Apostel der heidnischen Germanen, schon über tausend Jahre vor den modernen Juristen im Mittelalter stilsicher wie folgt formuliert hat: „Qui tacet, consentire videtur.“ [Wer schweigt, scheint zuzustimmen.]

Keine Antwort ist auch eine Antwort. [1]

「返事をしないのも返事の一つ」
Henji o shinai no mo henji no hitotsu
Keine Antwort ist auch eine Antwort.

「返事のないものも返事」
Henji no nai mono mo henji
No answer is also an answer.

Außer Spesen nichts gewesen!

骨折り損の草臥れ儲け
Honeorizon no kutabire mōke
Für große Anstrengungen nur Erschöpfung als Gewinn.
Viel Mühe für nichts und wieder nichts.
Außer Spesen nichts gewesen!

骨折り損の草臥れ儲け
Honeorizon no kutabire mōke
Great pains but all in vain.
It’s more hassle than it’s worth.
It was a waste of time and effort!

Anmerkung
Dieses Sprichwort steht auf der 5. von 48 Karten des traditionellen Iroha-Kartenspiels von Osaka (Osaka Iroha Karuta).

Lügen haben kurze Beine.

嘘は一時
Uso wa ittoki
Lügen funktionieren nur eine Weile.
Lügen haben kurze Beine.

嘘は一時
Uso wa ittoki
A lie never lives to be old.
Lies have short legs.

Schmiede das Eisen, solange es heiß ist.

鉄は熱いうちに打て
Tetsu wa atsui uchi ni ute
Schmiede das Eisen, solange es heiß ist.
Dum ferrum candet, cudere quemque decet.
Man soll das Eisen schmieden, solange es heiß ist.

鉄は熱いうちに打て
Tetsu wa atsui uchi ni ute
Strike while the iron is hot.
Make hay while the sun shines.
One should strike while the iron’s hot.

Angst essen Seele auf

気の毒は身の毒
Ki no doku wa mi no doku
Poison for the soul is also poison for the body.
Gift für die Seele ist auch Gift für den Körper.

Anmerkung
Das filmische Melodram „Angst essen Seele auf“ [1974, engl. Ali: Fear Eats the Soul, jp. Fuan to tamashii  『不安と魂』] von Rainer Werner Fassbinder (1945–1982) existiert auch in einer Theaterfassung des Autors.

Jacke wie Hose

五十歩百歩
Gojippo hyappo
Fünfzig Schritte oder hundert Schritte.
Das ist gehüpft wie gesprungen.
Das ist Jacke wie Hose.

五十歩百歩
Gojippo hyappo
Fifty steps or one hundred steps.
Six of one and half a dozen of the other.
It makes no odds.

Anmerkung
Die sprichwörtliche Redensart von den fünfzig oder hundert Schritten, die keinen Unterschied ausmachen, stammt aus der Zeit der Streitenden Reiche (5. Jh. v.u.Z. bis 221 v.u.Z.) beziehungsweise der östlichen Zhou-Dynastie (770–256 v.u.Z.) von dem chinesischen Gelehrten Mengzi 孟子 [ch. Mèngzǐ, jp. Mōshi, 372–289 v.u.Z., latinisiert Mencius]. Mengzi machte sich um die Durchsetzung des Konfuzianismus in China verdient, glaubte an das Gute in der menschlichen Natur und war ein früher Verfechter des Umweltgedankens unter besonderer Berücksichtigung von Nachhaltigkeit.

Eines Tages trifft König Hui 惠王 [ch. Huì Wáng, jp. Kei Ō] des Reiches Liang 梁 [ch. Liáng, jp. Ryō; vor der Hauptstadtverlegung nannte man das Reich eher Wei 魏 (ch. Wèi, jp. Gi)] Mengzi und klagt ihm sein Leid: Die Herrscher der benachbarten Reiche dächten beim Herrschen nicht – so wie er – an das Wohlergehen ihres Volkes; wenn sich zum Beispiel wegen einer Naturkatastrophe in Hedong eine Mißernte ereignet, hilft er seinem Volk selbstverständlich, versorgt es mit Lebensmitteln und siedelt es nach Henei um. Aber obwohl er ein so vorbildlicher, moderner Herrscher ist, wächst seine Bevölkerung genau so wenig wie die in den benachbarten Reichen mit altbackener Führung.

Was mag wohl der Grund sein, richtet er sich fragend an den Gelehrten. Mengzi denkt nach und antwortet sinngemäß: Seine Majestät mögen Kriege. Ich erlaube mir daher, den Krieg als Analogie zu benutzen. Auf dem Schlachtfeld läßt der Kampflärm den Himmel erschüttern. Zwei Armeen mögen sich in einer Pattsituation befinden, aber am Ende gibt es sicher einen Sieger und einen Verlierer. Die besiegten Soldaten werfen ihre Helme und ihre Rüstung weg und rennen flüchtend um ihr Leben. Manche fliehen fünfzig Schritte und halten an, während andere hundert Schritte laufen und abstoppen. Dann lachen die fünfzig Schritte Geflohenen über die Feigheit der hundert Schritte Enteilten. Denken seine Majestät, dass es hier angebracht sei, zu lachen? König Hui schlägt mit der Faust auf den Tisch und sagt: Natürlich nicht. Ganz gleich, ob sie fünfzig oder hundert Schritte fliehen, es sind die gleichen Deserteure. Mengzi erwidert lächelnd: Da seine Majestät den Sinn meiner Worte verstanden haben, können seine Majestät nicht erwarten, dass die Bevölkerung des Reiches Liang größer als die der Nachbarn ist.

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